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In Stuttgart wird ein Sommermärchen wahr

Stuttgart (dpa) - 20.05.2007, 09:21 Uhr

Stuttgarts Trainer Armin Veh (l) und Manager Horst Heldt im Autokorso.
Stuttgarts Trainer Armin Veh (l) und Manager Horst Heldt im Autokorso.

Die Stuttgarter Fußballfans müssen nicht mehr träumen - der VfB hat für sie mit der fünften deutschen Meisterschaft ein Sommermärchen wahrgemacht.

Über 100 000 Anhänger der Schwaben feierten in der Innenstadt die wohl größte Party des Jahres und knüpften damit an die Euphorie der Weltmeisterschaft 2006 an. Nach dem 2:1-Sieg über Energie Cottbus zogen die Fans am Samstag singend und tanzend als rot-weißes Farbenmeer durch die City und verwandelten die Schwaben-Metropole in eine riesige Partymeile. Insgesamt waren etwa 150 000 Menschen rund um Stuttgart über Stunden auf den Beinen, um den VfB zu feiern.

Kurz vor Mitternacht war das Team um Meistertrainer Armin Veh in einem mehrstündigen Autokorso mit Sport-Coupés und Oldtimern vom Daimler-Stadion zu dem großen Empfang in der Innenstadt gefahren. Auch Stunden nach dem Abpfiff bereiteten zehntausende Fans dort dem neuen deutschen Fußballmeister einen frenetischen Empfang. Zusammen mit der Stuttgarter HipHop-Band Fantastische Vier sangen und feierten die Spieler auf einer großen Bühne. Dazu gab es ein Feuerwerk. Ausgelassen an der Spitze war der scheidende Torhüter Timo Hildebrand. Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger rief: «Wir haben die beste Mannschaft und die besten Fans.»

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Tausende Fans hatten die 24 Wagen auf ihrem Weg begleitet und die Fahrzeuge immer wieder zum Anhalten gezwungen, um ihre Idole zu feiern. Im ersten Wagen saßen mit der Meisterschale Präsident Erwin Staudt und Kapitän Fernando Meira. Im dritten Fahrzeug jubelten Trainer Armin Veh und Manager Horst Heldt den unzähligen Schlachtenbummlern am Straßenrand zu. Alleine am Stuttgarter Hauptbahnhof drängten sich laut Polizei bis zu 30 000 Fans um die Wagen.

Der Public-Viewing-Bereich auf dem Schlossplatz war schon am frühen Nachmittag lange vor dem Anstoß geschlossen worden. Das Handynetz war immer wieder überlastet und brach zeitweise zusammen. Am Eingang versuchten verzweifelte Fans noch, einen der begehrten Plätze zu ergattern. Wer es geschafft hatte, war nicht mehr zu bremsen. Rund 50 000 Fans machten sich in dem abgesperrten Bereich mit Sprechgesängen und wehenden Fahnen schon Stunden vor dem Anpfiff für den ersehnten Freudentaumel warm. Kinder schwenken auf den Schultern ihrer Eltern Meisterschalen aus Pappe.


Doch leicht wurde es den Anhängern der Schwaben nicht gemacht. Nach dem 0:1-Treffer für Energie Cottbus ist Stuttgart neun Minuten lang nicht mehr Meister. Fans sinken auf den Boden, schlagen enttäuscht die Hände vors Gesicht. Erste Tränen fließen. Einige beißen in ihren Schal, klammern sich regelrecht daran fest.

Als der 1:1-Ausgleich fiel, kennen die Fans kein Halten mehr. Wildfremde Menschen fallen sich in die Arme und schreien so laut, dass die Stimme versagt. Zur Halbzeit ist es zwar knapp, aber der VfB Stuttgart ist wieder Meister. Mit dem entscheidenden 2:1-Treffer brachen dann alle Dämme. Manche Schlachtenbummler reißen sich das Trikot vom Leib und schwingen es wild über dem Kopf. Ein tausendstimmiger Chor singt «So sehen Sieger aus». Das Jubellied wird von den Gebäuden rings um den Schlossplatz zurückgeworfen.

«Davon träume ich seit zwölf Jahren», sagt Stefan aus Stuttgart und legt einen spontanen Samba ein. Ein andere Fan wirft ihm eine Meisterschale aus Aluminium zu. Zeitgleich mit den Spielern auf der Leinwand reißt er sie in die Luft.

Während und nach der 90 aufreibenden Minuten blieben die Stuttgarter Fans ihrem guten Ruf treu: Laut Polizei gab es auch Stunden nach dem Abpfiff keine größeren Krawalle. Lediglich vereinzelt mussten die rund 600 Ordnungshüter Auseinandersetzungen schlichten. Wegen des Abbrennens von Feuerwerkskörpern gab es eine Festnahme. Auch die Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuz konnten das Spiel weitgehend genießen. Trotz sommerlicher Temperaturen mussten sie nur vereinzelt ausrücken.

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