Applaus statt Pfiffe: Schalke feiert «Vize-Titel»
Gelsenkirchen (dpa) - 19.05.2007, 21:52 Uhr
Schalker Fans verfolgen das Spiel gegen Bielefeld.
Der Stolz war größer als die Enttäuschung. Die Fans des FC Schalke 04 haben gefasst auf das aus ihrer Sicht unglückliche Meisterschaftsfinale reagiert. Nach dem 2:1 (2:0) ihrer Mannschaft gegen Arminia Bielefeld erhoben sie sich von ihren Sitzen und spendeten aufmunternden Applaus. Die direkte Qualifikation für die Champions League half der königsblauen Fan-Gemeinde ein Stück darüber hinweg, dass der VfB Stuttgart am Ende die Meisterschale in Händen hielt. «Wir kämpfen weiter, wir alle zusammen», spendete Trainer Mirko Slomka bei einer Stadionansprache den Zuschauer Trost. Noch vor dem Spiel war der Glaube an das Fußball-Wunder allgegenwärtig. Spruchbänder mit Inschriften «Die Hoffnung stirbt nie» gaben die Stimmung wieder. Wie die neuen deutschen Meister wurden die Spieler beim Verlassen des Mannschaftsbusses begrüßt. Auch auf dem wenige Kilometer vom Stadion entfernten Gelsenkirchener Kennedyplatz fieberten tausende Fans beim Public Viewing dem Fernduell mit dem Tabellenführer aus Stuttgart entgegen. Der Blick in die Vereinsgeschichte verhieß Gutes: Fast auf den Tag genau vor 49 Jahren hielten die Schalker die Meisterschale in Händen, am 21. Mai steht die Zehnjahresfeier für den UEFA-Cup-Sieg 1997 an.
Der perfekte Start der Mannschaft gegen Bielefeld schürte neue Hoffnung auf einen historischen Tag. Kaum war der Jubel über das 1:0 von Lincoln (11.) verebbt, traf Halil Altintop (16.) zum 2:0. Das in der Veltins-Arena angebrachte elektronische Soundcheck-System maß einen Dezibelwert von fast 160. Aber erst die Kunde vom 0:1 in Stuttgart wenige Minuten später verwandelte die Arena in ein Tollhaus. Kaum einen Zuschauer hielt es auf seinem Sitz. «Als ich auf dem Platz mein eigenes Wort nicht mehr verstanden habe, wusste ich Bescheid», sagte Bielefelds Abwehrspieler Heiko Westermann. Doch die Freude währte nur acht Minuten: Obwohl die Stadionregie darauf verzichtete, den Ausgleichstreffer des VfB gegen Cottbus auf der Anzeigentafel einzublenden, wurde es im Stadion binnen weniger Sekunden merklich ruhiger. Langsam, aber sicher dämmerte es selbst den größten Optimisten, dass das Fußball-Wunder ausbleiben würde. Die Skepsis, die sich bereits in der Halbzeit auf den Tribünen breit machte, ging nach der 2:1-Führung der Stuttgarter Minuten später in Frust über. Begleitet von den Spott-Gesängen der Bielefelder-Fans («Ihr werdet nie deutscher Meister») verfolgte der Schalke-Anhang die restlichen Minuten bis zum Schlusspfiff ungewohnt zurückhaltend.
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