VfB Stuttgart feiert Titelgewinn nach Zitterpartie
Stuttgart (dpa) - 19.05.2007, 19:02 Uhr
Der Cottbuser Zoltan Szelesi (l) versucht Stuttgarts Sami Khedira zu stoppen.
Der VfB Stuttgart schwebt im siebten Fußball-Himmel. Nach dem mühsamen 2:1 (1:1)-Sieg gegen den FC Energie Cottbus brachen beim neuen deutschen Meister alle Dämme. Direkt nach dem Schlusspfiff stürzten sich die Spieler auf den scheidenden Torhüter Timo Hildebrand und begruben ihn unter sich. Torjäger Mario Gomez köpfte die erste Sektflasche noch auf dem Platz. Cacau drehte vor den 56 000 Fans, die das proppevolle Daimlerstadion in ein Tollhaus verwandelten, die Ehrenrunde mit einer riesigen VfB-Fahne und der brasilianischen Nationalflagge in der Hand. «Das ist ein Traum», jubelte Jungspund Sami Khedira, der den erlösenden Siegtreffer erzielt hatte, nachdem Guido Buchwald, der Weltmeister von 1990 und VfB-Ehrenspielführer, Kapitän Fernando Meira unter tosendem Beifall die Meisterschale überreicht hatte. «Das ist ein sehr, sehr gutes Gefühl», sagte VfB-Trainer Armin Veh, der seine Emotionen erstaunlicherweise gut im Griff hatte. «Wir haben die ganze Saison über konstant und leidenschaftlich Fußball gespielt.» Der 46 Jahre alte Meister-Macher kündigte an, dass die von seinen Schützlingen angedrohte Glatze nach dem Triumph «nicht in Frage komme». Eine wilde Party soll es aber geben. «Wir feiern jetzt richtig, sonst könnte ich mich gleich in die Kiste reinlegen.» Teammanager Horst Heldt, mit Veh Vater des unglaublichen Stuttgarter Aufschwungs, machte «Trainer und Mannschaft für den Erfolg verantwortlich». Der VfB habe als Team «super gearbeitet».
Nach der Zitterpartie zum Abschluss einer furiosen Saison ließen die überglücklichen Spieler ihren Emotionen freien Lauf. Ausgelassen feierten sie den ersten Meistertitel seit 15 Jahren. «Keiner hat mit uns gerechnet», sagte Meira. «Das ist der schönste Tag», jubelte Thomas Hitzlsperger, der mit einem fulminanten Volleyschuss den wichtigen Ausgleich erzielt hatte. Timo Hildebrand, der wohl zum FC Valencia wechselt, sprach von einem «in Erfüllung gegangenen Traum». Für den Mexikaner Pavel Pardo, einer der Leistungsträger des VfB, ist es «unbeschreiblich, Meister zu sein». Der frühere Bundestrainer Jürgen Klinsmann hatte seinem Ex-Team in den USA die Daumen gedrückt: «Es ist natürlich normal und nachvollziehbar, dass man mit der Mannschaft fiebert, für die man viele Jahre gespielt hat, wo man aufgewachsen ist, wo die Familie nach wie vor ein Zuhause hat», bat er die Schalker Fans um Verständnis für seine Parteinahme. |
Der VfB verteidigte die Tabellenführung schließlich mit zwei Punkten Vorsprung vor Verfolger Schalke 04. Die als Tabellenletzter gestarteten Schwaben krönten damit die Runde. Als das Sensationsteam dürfen sie nun sogar am kommenden Samstag beim Pokalfinale auf das Double hoffen. Nach der Führung der Lausitzer durch Sergiu Radu (19. Minute) hatte Nationalspieler Hitzlsperger für den Ausgleich gesorgt (27.). Der erst 20 Jahre alte Deutsch-Tunesier Khedira sorgte mit seinem Treffer zum 2:1 (63.) für die Erlösung beim VfB. Das mit Abstand beste Rückrundenteam tat sich dieses Mal ungemein schwer, feierte aber am Ende völlig losgelöst den fünften Titel nach 1950, 1952, 1984 und 1992. Unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw und dessen Assistent Hansi Flick baute der VfB auch seinen Vereinsrekord auf acht Siege hintereinander aus. Die Spieler dürfen sich nun auf eine Meisterprämie von jeweils etwa 100 000 Euro freuen. Mit einem Fahnenmeer und einer WM-reifen Stimmung hatten die Anhänger ihre Mannschaft in der Arena empfangen. Bei stahlblauem Himmel und 25 Grad begannen die Stuttgarter - vor allem die jungen Spieler wie Khedira - nervös. Veh ließ Torjäger Mario Gomez, der erst am vergangenen Wochenende nach langer Verletzungspause sein Comeback gefeiert hatte, zunächst auf der Bank und brachte Marco Streller als zweite Spitze neben Cacau. Die Gastgeber kamen in der Offensive nicht wie gewohnt zum Zug. Hitzlsperger feuerte zwar in der 12. Minute die ersten beiden gefährlichen Warnschüsse ab, doch es schlug auf der Gegenseite ein: Nach einem Schuss von Vlad Munteanu hielt Radu den Fuß hin und traf zum Entsetzen des VfB mit seinem 14. Saisontor zum 0:1. Glück hatten die Schwaben, als nur zwei Minuten nach dem Rückstand ein Handspiel von Innenverteidiger Matthieu Delpierre im Strafraum nicht von Schiedsrichter Wolfgang Stark (Landshut) angezeigt wurde. Der VfB machte nun etwas mehr Druck und vergab eine Riesenchance durch Cacau.
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