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Kritiker einig: Lincoln ist Schalkes Sündenbock

Gelsenkirchen (dpa) - 18.05.2007, 14:15 Uhr

Der Schalker Regisseur Lincoln liegt im Spiel gegen Dortmund am Boden.
Der Schalker Regisseur Lincoln liegt im Spiel gegen Dortmund am Boden.

An Lincoln scheiden sich weiter die Geister. Der brasilianische Spielmacher des FC Schalke 04 muss ausgerechnet vor dem Showdown in der Bundesliga bei Fans, Verein und Medien als «Sündenbock» für höchst wahrscheinlich entgangene Meisterehren herhalten.

Spätestens seit dem bitteren 0:2 im Revierderby bei Borussia Dortmund und dem Sturz von der Tabellenspitze nimmt die Kritik am manchmal genialen, zuweilen aber auch lethargischen und verspielten Fußball-Regisseur zu. Selbst Mirko Slomka, der im Wissen um Lincolns außergewöhnliche Fähigkeiten mehr von ihm verlangt als von anderen Spielern, hält vor dem Saisonfinale gegen Arminia Bielefeld nicht mehr seine schützende Hand über den 28- Jährigen.

«Besondere Spieler werden besonders in die Kritik genommen», sagte Schalkes Trainer im «kicker». Lincoln habe trotz seiner individuellen Klasse zuletzt - beispielsweise bei den Derbys in Bochum und Dortmund - keine Spiele mehr entschieden. «Deshalb ist die Kritik an ihm berechtigt», gestand Slomka. Gleichwohl vertraut der Coach auch dem oft gescholtenen Profi und gibt ihm Gelegenheit, sein angekratztes Image mit einer entsprechenden Leistung aufzupolieren. «Jetzt ist er in der Pflicht», forderte Slomka vor dem wichtigen Heimspiel gegen Bielefeld.

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Grundsätzliche Zweifel an den Künsten des brasilianischen Ballzauberers hegt niemand auf Schalke, weil er seinen Wert für die Mannschaft schon oft bewiesen hat. Das war auch der Grund, warum Slomka den zuletzt formschwachen Denker und Lenker auch im Signal Iduna Park bis zum Abpfiff auf dem Platz ließ: «Wenn man weiß, dass man einen Spieler hat, der mit einer Aktion ein Spiel entscheiden kann, dann hofft man die ganze Zeit auf diesen einen Pass.»

Doch die Hoffnung wurde enttäuscht, wie häufiger in entscheidenden oder kritischen Saisonphasen tauchte Lincoln ab, konnte dem Schalker Spiel nicht seinen Stempel aufdrücken. Lediglich bei einem Freistoß knapp neben das BVB-Tor blitzte sein Können auf. Zwei Treffer, acht Torvorlagen in 22 Bundesliga-Einsätzen dieser Saison sind unter dem Strich zu wenig für einen Profi von Lincolns Extraklasse, lautet der Vorwurf, der nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand gemacht wird.


Besonders übel nahmen ihm Mitspieler und Verantwortliche seinen Ausraster gegen Bayer Leverkusen, als der Dribbelkünstler nach einer dummen Tätlichkeit gegen den provozierenden Bernd Schneider für fünf Spiele gesperrt wurde und dem Team in einer wichtigen Phase fehlte. Und tatsächlich holte Schalke in den fünf Partien ohne Lincoln nur sieben von 15 möglichen Punkten, verlor wichtigen Boden auf der Jagd nach dem ersten Titel seit 49 Jahren.

Trotz allem mochten weder Slomka noch Manager Andreas Müller öffentlich dem sensiblen Ballvirtuosen allein die Schuld für die Schlappe beim BVB in die Fußball-Stiefel schieben. «Es wäre zu einfach, ihn allein verantwortlich zu machen. Denn bis auf Torhüter Manuel Neuer und Marcelo Bordon hatte keiner Normalform.»

Zu den schärfsten Lincoln-Kritikern gehört Rolf Rüssmann. «Auf Lincoln kann man nicht aufbauen. Das ist ein Fazit schon der letzten Jahre. Lincoln hat viel Potenzial, aber bringt es halt nicht. Er ist so undiszipliniert, dass ein ständiges Erfolgserlebnis mit ihm kaum gegeben ist», bemängelt der Schalker Ex-Profi in der Sendung «KICK OFF» des TV-Senders «NRW.TV».

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