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Titel-Krimi im Revier mobilisiert die Massen

Dortmund (dpa) - 10.05.2007, 16:39 Uhr

Schalkes Trainer Mirko Slomka (l) beobachtet das Training seines Teams.
Schalkes Trainer Mirko Slomka (l) beobachtet das Training seines Teams.

Im Ruhrgebiet herrscht Ausnahmezustand. Das Bundesliga-Derby zwischen Borussia Dortmund und Spitzenreiter Schalke 04 und das zeitgleiche Duell des VfL Bochum mit Titel-Aspirant VfB Stuttgart mobilisieren die Massen.

112 036 Besucher sind in beiden ausverkauften Stadien live dabei, zudem werden rund 75 000 Anhänger beim Public Viewing in der Gelsenkirchener Arena erwartet. Für die Live-Übertragung der Bundesliga-Partie in der Veltins-Arena auf den insgesamt acht Bildschirmen - den vier des Videowürfels plus vier Videoleinwände im Innenraum - sind schon mehr als 50 000 Karten verkauft worden, wie Schalke mitteilte. Nicht nur Profis und Fans, auch Ordnungsdienste und Polizei stehen unter Hochspannung. «Die Sicherheitsvorkehrungen haben eher WM- als Bundesliga-Niveau», sagte BVB-Organisationschef Christian Hockenjos.

Die «Mutter aller Derbys» versetzt die Menschen im Revier in Wallung. Die Frotzeleien in Büros, Restaurants und an den Theken bezeugen die große Rivalität. Kaum eine Begegnung ist derart von Tradition und Konkurrenz geprägt, über kaum eine Partie kursieren so viele Anekdoten. Und doch ist das 129. Aufeinandertreffen der Teams aus Dortmund und Gelsenkirchen das bisher brisanteste. Schwächeln die Verfolger Stuttgart und Bremen, könnte Schalke schon am zweitletzten Spieltag erstmals seit 49 Jahren wieder den Titel gewinnen - und das ausgerechnet im Stadion des Erzrivalen. Dem wachsenden Druck gewinnt Schalke-Manager Andreas Müller nur positive Seiten ab: «Wir können Meister werden - das darf nicht lähmen, sondern muss beflügeln.»

Für echte Borussen ist allein der Gedanke an ein Freudenfest der Schalker im eigenen Stadion unerträglich. Deshalb kündigte BVB-Außenverteidiger Leonardo Dede totale Gegenwehr an: «Ich fühle mich wie ein Gladiator, der den Kampf Mann gegen Mann annehmen muss. Wir werden alles tun, damit der FC Schalke am Samstag nicht Meister wird.» An Motivation mangelt es den BVB-Profis trotz des bereits gesicherten Klassenverbleibs nicht. Mit einem Schlag könnte die Zuneigung der eigenen Fans nach einer turbulenten Zittersaison mit reichlich Gruselfußball zurück gewonnen werden.»

Ein Trauma wie im Jahr 2001, als das Team auf der Zielgeraden noch abgefangen wurde, wollen sich die Gäste diesmal unter allen Umständen ersparen. Inständig hoffen die «Königsblauen» auf einen «Big Point» in Dortmund - und Bochumer Schützenhilfe gegen Stuttgart. Zwei Wochen nach dem 2:1 über Schalke soll die zuletzt bärenstarke Mannschaft von Trainer Marcel Koller auch den Schwaben ein Bein stellen. Sollte der Nachbar den «Knappen» mit einem neuerlichen Coup am Ende zum Titel verhelfen, will sich Nationalspieler Gerald Asamoah mit Freibier erkenntlich zeigen: «Dann sind wir bereit, den Bochumern was rüberkommen zu lassen. Wir haben ja eine Brauerei als Sponsor.»


Im Vorfeld erinnert viel an das WM-Sommermärchen, als der Fußball in der Region den Takt vorgab. Das Rathaus und der zentrale Friedensplatz in Dortmund werden beflaggt, an der Hauptverkehrsader Bundesstraße 1 ist auf überdimensionalen Postern die Kernbotschaft dieser Tage «Wir sind Borussia» zu lesen. 600 Medienvertreter wurden akkreditiert, im Internet Karten zu horrenden Preisen angeboten. So viel Rummel nötigt selbst dem erfahrenen BVB-Coach Thomas Doll reichlich Respekt ab: «Ich habe als Profi selbst viele Derbys miterlebt - zum Beispiel in den Spielen des HSV gegen St. Pauli oder bei Lazio gegen AS Rom. Aber das hier übertrifft alles.»

Seit Tagen arbeiten Polizei und Ordnungskräfte an einem Konzept zur Wahrung der Sicherheit. Vor allem ein geplanter Fußmarsch von geschätzten 5000 bis 7000 Schalke-Fans durch die Dortmunder City zum Stadion bereitet Kopfzerbrechen. Zumal auf der Gegenseite Pläne reifen, mit einem eigenen Marsch dagegenzuhalten. «Von dieser Aktion bin ich als Polizeibeamter nicht begeistert. Aber wir können sie auch nicht verbieten», sagte Polizei-Einsatzleiter Michael Kuchenbecker.

Das Derby-Fieber hat auch ihn längst erfasst. Als bekennender Schalke-Fan muss der Dortmunder die Sticheleien vieler Kollegen ertragen. In einem Interview mit den «Ruhr Nachrichten» mahnte er alle Beteiligten zur Zurückhaltung, konnte sich aber einen Tipp nicht verkneifen: «Mein Herz schlägt für die Sicherheit. Aber Schalke wird mit Sicherheit deutscher Meister.»

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