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Irrer Titel-Dreikampf von 1992 vor Neuauflage

Düsseldorf (dpa) - 09.05.2007, 12:58 Uhr

Guido Buchwald erzielte im Titelkampf 1992 das entscheidende Tor für Stuttgart.
Guido Buchwald erzielte im Titelkampf 1992 das entscheidende Tor für Stuttgart.

Stress ohne Ende, Seelen-Taumel zwischen großem Glück und großer Trauer und bis zum Anschlag gefüllte Tränensäcke: Auf die Fans der Fußball-Bundesliga wartet ein Schlussspurt der Marke Hitchcock - so wie 1992.

Damals entschied der VfB Stuttgart die Meisterschaft im Fotofinish für sich. Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt schauten in die Röhre. «Uns hatte keiner auf der Rechnung», erinnert sich Guido Buchwald, der in der 86. Minute den Siegtreffer zum 2:1 für Stuttgart in Leverkusen köpfte.

Und der Ex-Weltmeister sieht Parallelen zum aktuellen Titelkampf zwischen Schalke 04 (65 Punkte), Stuttgart (64) und Werder Bremen (63). «Der VfB hat jetzt wieder den psychologischen Vorteil, weil von dieser Mannschaft keiner etwas erwartet, Schalke aber Meister werden muss», sagte Buchwald.

Frankfurt ging vor 15 Jahren als Favorit in die Endphase einer Mammutsaison mit 20 Mannschaften. Die Hessen zeigten aber Nerven. Am 37. Spieltag kam das Team von Trainer Dragoslav Stepanovic gegen Bremen nicht über ein 2:2 hinaus. Stuttgart patzte mit einem 1:1 gegen die SG Wattenscheid, so dass Frankfurt (+ 36 Tore), Stuttgart (+ 29) und Dortmund (+ 18) mit jeweils 50 Pluspunkten (2-Punkte-Wertung) in ihre abschließenden Partien am 16. Mai 1992 gingen. Frankfurt unterlag allerdings bei Absteiger Rostock 1:2, dem BVB reichte ein 1:0-Erfolg beim MSV Duisburg nicht, weil Stuttgart mit 2:1 in Leverkusen triumphierte.

150 000 Mark Meisterprämie hatte Stuttgarts Trainer Christoph Daum ausgehandelt und seine Spieler mit einer deftigen Ansprache zur Höchstform motiviert: «Fightet bedingungslos - wir wollen und wir werden siegen.» Und der «Spielfilm» der letzten 90 Saisonminuten war an Dramatik schwer zu überbieten. Schon nach neun Minuten verlor Frankfurt in der «Blitztabelle» seine Spitzenposition. Stephane Chapuisat brachte den BVB gegen die um den Klassenverbleib kämpfenden Duisburger in Führung. Die Eintracht mühte sich vergeblich. «Sieben Torchancen waren es in Rostock, Edgar Schmitt hatte die größte. Und die landete am Pfosten», erinnert sich Stepanovic, und gibt zu: «Ich kann mich jetzt noch darüber ärgern.»


Sehr zur Freude der Stuttgarter, bei denen Matthias Sammer in der 79. Minute «Rot» sah, nachdem er Schiedsrichter Hans-Peter Dellwing hämisch Beifall gezollt hatte. Nach dem unerwarteten Triumph stürmten die VfB-Fans den Leverkusener Rasen. «Ein unbeschreibliches Gefühl, ich wusste vor lauter Glück nicht, was ich machen sollte», sagt Buchwald. Wie es heißt, mussten die Schwaben den Titel mit von Leverkusen spendiertem Sekt feiern, weil sie nicht vorgesorgt hatten.

In Duisburg und Rostock flossen dagegen Tränen der Trauer. «Fußball ist unheimlich brutal», stammelte BVB-Profi Michael Zorc damals. Der heutige Sportdirektor heulte wie 30 000 andere Menschen im Wedaustadion wie ein Schlosshund. Der MSV war ebenso wie Rostock in die 2. Liga abgestiegen. «Wenn Schalke jetzt Meister wird, bin ich der erste Gratulant. Ich kann mir aber etwas Schöneres vorstellen», meinte Zorc vor dem Schalker Gastspiel beim BVB.

Meistertrainer Daum sieht Stuttgart im Vorteil, weil «der VfB die einzige Mannschaft ist, die nichts zu verlieren hat.» Stepanovic setzt dagegen auf Schalke: «Die Jungs sind cool drauf und der Trainer ist genau der richtige, weil sie einen wunderbaren Fußball spielen.» Das wurde 1992 von den Frankfurtern allerdings auch behauptet.

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