Dicke Luft im Abstiegskampf
Düsseldorf (dpa) - 19.04.2007, 14:26 Uhr
Im Spiel gegen Werder Bremen zappelt am 29. Spieltag der Ball im Dortmunder Tor.
Die Nerven liegen blank, die Planungen für die kommende Spielzeit weitgehend auf Eis. Fünf Spieltage vor dem Saisonfinale am 19. Mai müssen noch neun Bundeslisten um den Klassenverbleib bangen. Der spannendste Bundesliga-Abstiegskampf seit Jahren sorgt bei einigen Clubs für dicke Luft - und erschwert den Aufbau einer neuen Mannschaft für die kommende Spielzeit. «Ich bin froh, wenn einige weg sind», kommentierte Oliver Neuville erste Auflösungserscheinungen beim Schlusslicht Borussia Mönchengladbach. Zum Verdruss der Clubführung, die den Angreifer für die öffentliche Kritik an einigen Mitspielern mit einer Geldstrafe bedachte. Nicht nur in Mönchengladbach wachsen die Spannungen. Bei Eintracht Frankfurt beklagte der von Trainer Friedhelm Funkel ausgemusterte Mittelfeldspieler Albert Streit einen «riesengroßen Vertrauensbruch», in Bielefeld echauffierte sich Stammtorhüter Mathias Hain über die Kritik aus Vorstandskreisen an seiner Leistung. Und bei Borussia Dortmund verursachte Steven Pienaar Diskussionen: Nur das Dementi seiner brisanten Aussagen in einem Interview, in dem er angeblich fehlende Anerkennung monierte, mit der niederländischen Sportzeitschrift «Sportweek» bewahrte den Spielmacher vor Konsequenzen.
Angesichts der wachsenden Sorgen um den Klassenverbleib sinkt in den Führungsetagen die Toleranzschwelle für nörgelnde und formschwache Profis. Schließlich drohen im Falle eines Abstiegs Millionenverluste. Wie der unlängst vorgestellte Bundesliga Report der Deutschen Fußball Liga (DFL) offenbart, brachen den im Jahr 2005 abgestiegenen Vereinen in der folgenden Zweitligasaison 43,4 Prozent ihrer Einnahmen weg. Wen dieses Schicksal in diesem Jahr ereilt, ist völlig offen: Nur fünf Punkte trennen den Tabellenneunten Hamburger SV vom Drittletzten aus Bielefeld. Allein die Verteilung der Fernsehgelder dokumentiert den Klassenunterschied: 79 Prozent fließen in die Beletage, nur 21 Prozent in das Untergeschoss. «Die Finanzsituation in der 2. Bundesliga ist systembedingt schwieriger. Viele Traditionsclubs versuchen alles, um wieder aufzusteigen. Die Personalkosten sind oft höher als die Erträge», sagte Christian Müller, DFL-Geschäftsführer Finanzen. Und der Unterschied wird in Zukunft noch größer: Schließlich können die Bundesligisten mehr verdienen als je zuvor. |