Detail-Arbeit statt Psycho-Tricks im Abstiegskampf
Frankfurt/Main (dpa) - 11.04.2007, 10:57 Uhr
Thomas Doll (M) zeigt im Training in Dortmund, wo es hingehen soll: Aufwärts.
Psycho-Tricks sind out im Abstiegskampf. Auch wenn so viele Mannschaften wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesliga von der Zweitklassigkeit bedroht sind, greifen die Trainer sechs Spieltage vor Schluss nicht in die Motten-Kiste der Motivations-Hilfen. «Sprücheklopfer sind nicht mehr gefragt», sagte der Präsident des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL), Horst Zingraf, der dpa. «Vielmehr sind diejenigen gut beraten, die am Detail arbeiten.» Genau das beherzigen die Trainer. Seien es diejenigen, die seit Saisonbeginn auf ihrem Stuhl Platz nehmen, oder erst nach der Winterpause, wie der jüngst bei Hertha BSC als Nachfolger des erfolglosen Falko Götz beförderte Karsten Heine. Ebenfalls als «Retter in der Not» wurden zuvor bereits Jos Luhukay bei Borussia Mönchengladbach, Ernst Middendorp bei Arminia Bielefeld, Huub Stevens beim Hamburger SV und Thomas Doll bei Borussia Dortmund zur oder in der Rückrunde engagiert.
Zwar zeigten diese mit Disziplinarmaßnahmen (Suspendierung von Spielern bei Dortmund, gestrichene freie Tage beim HSV), wer der neue Herr im Hause ist. Von medienwirksamen Aktionen wie das Laufen über glühende Kohlen oder anderen Mutproben mit Mannschaftsfindungs-Charakter aber keine Spur. Die Trikot-Initiative «Ein Team» sollte in Gladbach Gemeinschaftswillen demonstrieren, vor dem Absturz auf den letzten Platz rettete dies die «Fohlen» aber ebenso wenig wie das Engagement von Ex-Nationalspieler Christian Ziege. Beim FSV Mainz, der nach dem beeindruckenden Start als lange Zeit beste Rückrunden-Mannschaft nun infolge von drei Niederlagen in Serie mit 30 Punkten auf dem Konto auf den vorletzten Tabellenrang abgerutscht ist, schwört Trainer Jürgen Klopp vor dem Heimspiel gegen Spitzenreiter FC Schalke 04 auf das bereits mehrfach bewährte Sondertrainingslager im Westerwald. Kollege Friedhelm Funkel von der benachbarten und rivalisierenden Frankfurter Eintracht (15. Platz/31 Punkte) belässt in der Vorbereitung auf das Abstiegsduell bei Armina Bielefeld (16./30) alles beim alten. Dafür sorgt Heißsporn Ioannis Amanatidis weiter mit öffentlicher Kritik am Teamgeist für hitzige Diskussionen. Verbale Scharmützel dieser Art sind beim VfL Wolfsburg, der als Tabellensiebter unter Coach Klaus Augenthaler lediglich fünf Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsrang hat, kein Thema. Dasselbe gilt für den punktgleichen niedersächsischen Rivalen Hannover 96 (10. Platz/35) von Trainer Dieter Hecking. Auch beim VfL Bochum (11./33), wo man sich bestens mit Auf- und Abstieg auskennt, geht Trainer Marcel Koller ohne großes Ballyhoo in die letzten Spieltage der Saison. Ebenso wie in Aachen unter Trainer Michael Frontzeck, der vor der Winterpause Hecking nachfolgte. «Die Ziele sind so nah vor Augen, da braucht man keine psychologischen Tricks», meinte BDFL-Präsident Zingraf.
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