Doll statt Urlaub voller Tatendrang ins Abenteuer
Dortmund (dpa) - 30.03.2007, 11:47 Uhr
Auch von der Seitenlinie aus will Thomas Doll in Dortmund noch Einfluss nehmen.
Eigentlich wollte er ein wenig Abstand gewinnen, stürzte sich jedoch Hals über Kopf in das nächste Fußball-Abenteuer. Statt seinen Urlaub wie geplant zusammen mit der Familie in Andalusien zu verbringen, schwört Thomas Doll die Profis von Borussia Dortmund auf den bevorstehenden Abstiegskampf ein. Nur wenige Wochen nach seinem schmerzlichen Aus beim Hamburger SV sprüht der Fußball-Lehrer wieder vor Tatendrang: «Ich bin kein Typ, der sich in eine Opferrolle begibt. Mir ging es schnell wieder besser. Es gab keinen Power-Verlust, da sind keine Selbstzweifel.» Der vergebliche, monatelange Kampf beim HSV hat Spuren hinterlassen, ihn aber nicht zermürbt. Obwohl die Offerte aus Dortmund zu einem für ihn eher ungünstigen Zeitpunkt kam, zögerte er keine Sekunde. Die Lust auf Nervenkitzel war größer als die Angst vor einem erneuten Scheitern. Mit leidenschaftlichen Ansprachen und akribischer Trainingsplanung erwarb er sich schnell den Respekt seiner Profis. «Alle haben nun begriffen, worum es geht. Er erreicht die Mannschaft», lobte Kapitän Christian Wörns.
Den Vorwurf, er sei in Hamburg mehr Kumpel als Kritiker seiner Spieler gewesen, hat er immer für abwegig gehalten. Um nicht wieder in einen ähnlichen Verdacht zu geraten, lässt er in Dortmund keine Zweifel an seiner konsequenten Linie aufkommen. In den zahlreichen Interviews der vergangenen Tage nutzte Doll jede Gelegenheit, sein Image aufzubessern. «Wer hier sein eigenes Filmchen dreht, darf sich anderweitig orientieren», kündigte er in den «Ruhr Nachrichten» einen harten Kurs an. Gleichwohl ist er seiner Linie treu geblieben. Doll verbreitet Optimismus, muntert seine zuletzt formschwachen Profis auf und redet sie stark. Selbst bereits aussortierten Spielern wie Matthew Amoah wird neue Wertschätzung zuteil. Zudem plant er weitere Professionalisierungsmaßnahmen. Ein Athletiktrainer, eine Bio-Köchin und ein Psychologe sollen das Trainerteam vergrößern. Ähnlich wie der ehemalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann hält Doll viel von spezialisierten Helfern: «Das ist wichtig. Ich kann hier ja auch nicht den Mannschaftsbus fahren. Dafür haben wir einen Busfahrer.» Doch im Abstiegsfall wären solche Überlegungen wohl hinfällig. Die meisten Profis wären ablösefrei, die Rückgänge bei den TV- und Sponsoreneinnahmen gewaltig. Nicht zuletzt deshalb konzentriert sich Doll momentan in erster Linie auf das Tagesgeschäft. Dem bedenklichen sportlichen Trend der Borussia setzt er seine noch aus Hamburger Zeit bekannte positive Sicht der Dinge entgegen. Der Klassenverbleib steht für ihn außer Zweifel: «Das ist für alle ein großes Abenteuer. Aber ich bin überzeugt, dass wir es packen, durchpusten und uns dann neu aufstellen für die kommende Saison.»
|