VfB-Jungprofi Tasci: Bundesliga statt Abiprüfungen
Stuttgart (dpa) - 30.03.2007, 10:29 Uhr
Serdar Tasci setzt mittlerweile voll auf seine Fußball-Karriere.
Auf der Ersatzbank hat Serdar Tasci zuletzt selten gesessen - und auch die Schulbank drückt er nicht mehr. Dafür ist der hochtalentierte Abwehrspieler eine Bank beim Bundesligisten VfB Stuttgart. Im Heimspiel gegen Alemannia Aachen kehrt der erst 19 Jahre alte Deutsche-Türke nach überstandenem Muskelfaserriss zurück. Normalerweise hätte er die dreiwöchige Zwangpause gut fürs Büffeln brauchen können: Doch Tasci hat wenige Monate vor dem Abitur die Schule geschmissen, um seine Profikarriere vorzutreiben. «Ich konnte beides nur noch halbherzig machen, da habe ich mich für den Fußball entscheiden», sagt Tasci. Kurz und trocken, aber sehr höflich beantwortet der in Esslingen geborene Sohn eines Baggerfahrers und einer Grundschullehrerin die Fragen bei Interviews. Ebenso geht er auf dem Platz zu Werke: schnörkellos und meistens ohne Fouls. Mit 21 Erstliga-Einsätzen in diese Saison hat der U 21-Nationalspieler den Durchbruch geschafft. Seiner schulischen Laufbahn ist das nicht gut bekommen. «Im Grunde», sagt VfB-Teammanager Horst Heldt, «ist er ein Jahr zu früh durchgestartet.»
Im Trainingslager in Dubai Anfang des Jahres reifte bei Tasci der Entschluss, sich nicht mehr der Doppelbelastung auszusetzen. «Meine Mutter wollte am meisten, dass ich weitermache. Aber die konnte ich auch noch überreden», erklärt der Innenverteidiger. «Es war nicht mehr anders möglich. Serdar hat wirklich alles versucht, mit Nachhilfe und Lerneinheiten zu allen möglichen und unmöglichen Tageszeiten», sagt Heldt. Die Friedrich-von-Cotta-Schule, an der schon Tascis VfB-Kollegen Timo Hildebrand, Mario Gomez und Andreas Beck paukten, hat nun einen prominenten Zögling weniger. Dabei war die Einrichtung kürzlich vom DFB-Präsidenten Theo Zwanziger als Eliteschule des Fußballs ausgezeichnet worden. Tasci hat nun die Fachhochschulreife. «Das Abi kann ich immer mal nachholen, wenn ich mich schwer verletzen sollte.» Während der Abschlussprüfungen wären ihm noch mehr Trainingseinheiten entgangen, «und da hätte ich keine gute Karten gehabt, am Wochenende zu spielen». Vor der Saison hätte es sich Innenverteidiger nicht träumen lassen, dass er auf Anhieb einen Stammplatz erobert. Jetzt lobt er die Philosophie der Schwaben, den jungen Spielern eine Chance zu geben. Nach einem kurzen «Flirt» mit dem türkischen Fußball-Verband hat er sich für die Auswahlmannschaften des DFB entschieden. «Ich habe noch viele Verwandte in der Türkei, aber ich war bisher nur dort, um Urlaub zu machen.» Die Eltern, bei denen er noch wohnt, haben es akzeptiert. «Mein Ziel», sagt Tasci ohne Pathos, «ist ein Platz in der A-Nationalmannschaft.» Ein Vorbild hat er nicht, aber schöne Bilder einer grandiosen Karriere vor Augen: Als Jürgen Klinsmann im Mai 1999 im Daimler-Stadion sein anrührendes Abschiedsspiel gab, saß Tasci auf der Tribüne. «Ich war da noch in der D- oder C-Jugend und habe das in toller Erinnerung.»
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