Middendorp kein Heilsbringer für Bielefeld
Aachen (dpa) - 18.03.2007, 09:45 Uhr
Bielefelds Trainer Ernst Middendorp blieb bei seinem Comeback sieglos.
Auch der bei Arminia Bielefeld als «Jahrhundert-Trainer» verehrte Ernst Middendorp war auf Anhieb nicht der erhoffte Heilsbringer. Drei Tage nach seiner Rückkehr ist die Lage beim Tabellenvorletzten der Fußball-Bundesliga prekärer denn je. «Wir haben jetzt noch acht Endspiele. Es gibt da Raum für Verbesserungen in allen Bereichen», sagte Middendorp nach dem enttäuschenden 0:2 (0:0) beim Mitkonkurrenten Alemannia Aachen. Dem Rekord-Absteiger droht im Sommer zum siebten Mal der Sturz in die Zweitklassigkeit. Als schlechtestes Rückrunden-Team der Liga hat die Arminia bereits drei Punkte Abstand auf den rettenden 15. Rang. Middendorp will mit allen Mitteln seinen zweiten Bundesliga-Abstieg mit Bielefeld nach 1998 verhindern. «Die Chance ist nach wie vor da», sagte der 48-Jährige nach dem ersten Spiel seiner bereits dritten Amtszeit als Arminen-Coach. Mit Kritik an seiner Mannschaft hielt er sich zurück. «Wenn man 70 Minuten nimmt, war das ganz okay», befand er. Bielefelds sportlicher Geschäftsführer Reinhard Saftig wirkte angesichts der miserablen Ausbeute in diesem Jahr dagegen ratlos. «In der Hinrunde haben wir 22 Punkte gesammelt, jetzt sind es erst vier. Das ist nicht zu erklären», sagte er konsterniert.
Die sportliche Leitung der Arminia ist angesichts der Talfahrt mit ihrem Latein am Ende. Nach zwei Trainerwechseln scheinen alle Mittel ausgereizt. «Jetzt können wir nichts mehr machen. Die Spieler können wir ja nicht rauswerfen», sagte Saftig. Der dritte Bielefelder Coach in der laufenden Spielzeit setzt dagegen auf die nun folgende zweiwöchige Länderspiel-Pause. «Wir müssen die Zeit nutzen, um in 14 Tagen gegen Dortmund wieder voll da zu sein», sagte Middendorp. Durchhalteparolen hört man bei Aufsteiger Aachen nicht mehr. Nach drei Siegen in Serie ist die Alemannia auf dem besten Weg, ihren Fans auch im kommenden Jahr erstklassigen Fußball zu bieten. «Vor der Saison hat uns doch keiner zugetraut, im Abstiegskampf so gut mitzuhalten. Aber jetzt stehen wir sehr gut da», sagte Nationalspieler Jan Schlaudraff, der wie schon vor zwei Wochen beim 2:1 gegen Mainz Aachens Matchwinner war. Das 1:0 schoss er selbst (71.), vor dem zweiten Tor durch den verwandelten Foulelfmeter von Laurentiu Reghecampf (76.) wurde er von Bielefelds Marcio Borges im Strafraum zu Fall gebracht. Mit bereits 33 Punkten sind die nun schon seit sechs Spielen unbesiegten Aachener weiter Tabellen-Neunter. «Das hat die Mannschaft sich erarbeitet, sie lässt jetzt nicht mehr so viele gegnerische Chancen zu wie noch vor ein paar Monaten», lobte Aachens Manager Jörg Schmadtke das dominante Auftreten in den vergangenen Wochen. Sicher fühlen sich Alemannias Verantwortliche angesichts der eng beieinander liegenden Konkurrenz im Abstiegskampf jedoch noch nicht. «Das ist dieses Jahr schon verrückt. Es ist gut möglich, dass man mindestens 40 Punkte zum Klassenerhalt braucht», sagte Schmadtke. Und auch Trainer Michael Frontzeck warnte vor verfrühtem Jubel: «Wir sind auf einem guten Weg, aber nicht mehr».
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