Bei Borussia Dortmund schleicht sich langsam, aber sicher die Angst ein. «Wir müssen nach unten schauen und nicht nach oben», mahnte BVB-Innenverteidiger Christoph Metzelder nach der 2:4-Niederlage bei Hannover 96 mit sorgenvoller Miene.
Bei nur noch fünf Punkten Abstand zu den Abstiegsrängen gerät die seit mehr als drei Monaten auswärts sieglose Borussia zusehends unter Druck und muss angesichts der deutlich nach unten zeigenden Formkurve plötzlich bangen.
«Wir müssen sehen, dass wir da unten nicht weiter reinrutschen», warnte auch Florian Kringe: «Wir müssen sehen, dass wir nach unten Abstand bekommen.» Internationale Ambitionen hegen die Dortmunder, die ihre vierte Niederlage in der Rückrunde kassierten, nicht mehr. «Platz fünf, dieser Zug ist abgefahren», sagte der desillusionierte Kringe.
Innerhalb von drei Minute kippte die kämpferisch und leidenschaftlich geführte Partie durch zwei Dummheiten von Nelson Valdez. Zunächst verursachte der BVB-Stürmer durch intensives Ziehen am Trikot von Vahid Hashemian den Elfmeter, den Szabolcs Huszti (56.) nutzte. Kurz danach flog Valdez nach einer Unbeherrschheit (58.) vom Platz. «Die Gelb-Rote Karte war der Knackpunkt des Spiels», kommentierte 96-Manager Christian Hochstätter. Hannover nutzte die Verwirrung und den Platz zu Treffern der eingewechselten Jiri Stajner (69.) und Arnold Bruggink (76., 78.). Für den ersatzgeschwächten BVB gelang Ebi Smolarek (88.) und Florian Kringe (90.) lediglich Ergebniskorrektur, weil die Hannoveraner nachlässig wurden.
Vorwürfe wollte BVB-Trainer Jürgen Röber dem eifrigen Valdez nicht machen. «Natürlich war das falsch», urteilte der Coach, bat aber um Verständnis: «Wenn man in so einer Situation ist, den Elfmeter verursacht und auf der anderen Seite versucht einen Eckball herauszuholen, den man dann nicht bekommt, dann haut man schon mal den Ball weg.»
Zu Recht sagte Röber auch: «Bis zu dem Elfmeter haben wir gut gespielt.» Der BVB stand defensiv sicher, störte früh und spielte sich im Gegensatz zu Hannover auch Chancen heraus. Dass der Gast aus Dortmund bis zur unfreiwilligen Hilfe von Valdez als Mannschaft mit mehr Ballbesitz und weniger Chancen auftrat, war auch Hannovers Trainer Dieter Hecking nicht entgangen. «Ich bin froh, dass es zur Halbzeit 0:0 stand», gab der Coach zu.
Angesichts des siebten Platzes träumen nun viele Fans in der niedersächsischen Landeshauptstadt vom internationalen Fußball, und auch Torwart Robert Enke sagte: «Das Wort UEFA-Cup ist nicht verboten.» Doch dem Trainer, der das Team als Tabellenletzter übernommen hatte, geht das alles ein bisschen zu schnell. «Die Fans haben natürlich das Recht zu träumen, aber wir sind Realisten», mahnte er. Dem Coach ist nicht entgangen, dass seine Mannschaft weiter vom internationalen Niveau entfernt ist als es der Tabellenplatz vermuten lässt.
Nach der 2:4-Niederlage haben einige Anhänger von Borussia Dortmund ihren Ärger am Fan-Bus ausgelassen. Wie die Polizei Bielefeld mitteilte, randalierten sie im Fahrzeug, warfen mit Flaschen und zerstörten eine Scheibe. Der Busfahrer hielt an einem Rastplatz an und weigerte sich, die Reise mit den Randalierern fortzusetzen. Die 50 BVB-Fans mussten aussteigen, Polizisten beruhigten die Gemüter. Doch für sieben BVB-Fans war die Fahrt beendet: Sie wurden in Polizeigewahrsam genommen.