Hertha setzt auf «Anti-Marcelinho» Mineiro
Berlin (dpa) - 06.02.2007, 11:39 Uhr
Mineiro lässt sich von den Hertha-Fans feiern.
Gern würde der kleine Mann mit der großen Lunge in London mit der brasilianischen Nationalmannschaft aufgelaufen. Doch während die Selecao in Englands Hauptstadt gegen Portugal ins Jahr 2007 startet, ackert Carlos Luciano da Silva, genannt Mineiro, in Berlin an seiner Fitness. «Er wird uns weiterbringen», erklärte Manager Dieter Hoeneß, der Mineiro sozusagen mit dreijähriger Verzögerung zu Hertha BSC geholt hat. Schießt der 31 Jahre alte Neuzugang weiter solch spektakuläre Tore wie bei seinem Debüt gegen den HSV (2:1), wird auch der brasilianische Nationalcoach wieder bei Mineiro anklopfen. «In der Nationalelf ist eine Phase, in der Carlos Dunga experimentiert. Wenn ich hier in Berlin gut arbeite, bekomme ich vielleicht auch wieder eine Einladung», sagte Mineiro. Eigentlich fällt der in Porto Alegre geborene Profi selten auf. Selbst bei der WM im vergangenen Sommer, bei der Mineiro als Ersatz für den verletzten Edmilson in den Kader gerutscht war, wollte bei aller Belagerung des brasilianischen Teams kaum jemand etwas von dem 1,70 Meter kleinen und 65 Kilo leichten Fußballer wissen. «Er ist ein bescheidener, zurückhaltender Mann», erklärte Hoeneß, der Mineiro schon 2004 zusammen mit Gilberto für Hertha entdeckt hatte. «Doch irgendwie hat es nie gepasst. Entweder ich war nicht frei oder es gab kein konkretes Angebot, wenn ich frei war», begründete Mineiro, warum er erst mit 31 Jahren den Schritt nach Europa wagte.
In seiner Heimat genießt der defensive Mittelfeldmann, den Hertha-Coach Falko Götz als «sehr universell einsetzbar» einstuft, einen hervorragenden Ruf. Sein alter Club kämpfte verbissen um ihn: Mit Sao Paulo hatte Mineiro die Copa Libertadores, die Club-WM und die brasilianische Meisterschaft gewonnen. Der Familienvater gilt nicht nur als Dauerläufer, sondern auch als technisch beschlagen, wie sein famoses Weitschusstor nach nur 23 Bundesliga-Minuten schon bewies. Extravaganzen wie bei seinem Vorgänger Marcelinho sind nicht zu erwarten. «Da gibt es gar keine Gefahr, dass er abhebt», so Hoeneß. Was bei Herta besonders gut ankommt, denn nicht immer waren die Erfahrungen mit Einkäufen vom Zuckerhut positiv. Da gab es die Diva Alex Alves, der schon mal mit weißem Pelz erschien, oder den glücklosen Weltmeister Luizao, der nie heimisch wurden. Und Marcelinhos Genialität auf dem Platz war zuletzt auch immer mehr von Undiszipliniertheiten und Eskapaden getrübt worden. Bei Mineiros Eingewöhnung will auch dessen Freund Gilberto helfen, beide spielten einst zusammen bei AD Sao Caetano. «Ich sehe mich nicht als Star, will der Mannschaft helfen», erklärte Mineiro nach dem Siegtor gegen den HSV. «Er ist ein Arbeiter», bestätigte auch Gilberto. Erst einmal will der Anti-Marcelinho an seiner Fitness arbeiten, denn sein letztes Pflichtspiel in Brasilien liegt sechs Wochen zurück. Chefcoach Götz freut sich schon auf weitere tolle Auftritte und Tore von Mineiro: «Er ist auch in Brasilien schon als Torschütze aufgefallen - zwei, drei Mal im Jahr.»
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