Zwischendurch hatte der Mecklenburger das Team in UEFA-Cup und gar Champions League geführt und war als neuer Stern am Trainerhimmel gefeiert worden. Doch der Absturz des Sympathieträgers, der für seine Spieler mehr Kumpel denn Respektsperson war, folgte auf dem Fuße: Dem durch zahlreiche Fehlentscheidungen in der Transferpolitik gebeutelten HSV droht nun der erstmalige Abstieg aus dem Oberhaus. In 19 Partien dieser Saison gelang dem mit Nationalspielern aus 15 Ländern gespickten Team nur ein Sieg. «Das war eine emotionale Verabschiedung. Aber es sind keine Tränen geflossen», berichtete Abwehrspieler Collin Benjamin. Sein Teamkollege David Jarolim übte Selbstkritik: «Wir haben dem Trainer nicht geholfen. Er kann nichts dafür. Es liegt an uns. Vielleicht hängt es mental.» Da auch Co-Trainer Ralf Zumdick und Torwart-Trainer Ronny Teuber den Verein verlassen mussten, leitete Athletik-Trainer Markus Günther die Übungseinheit mit einem sehr schweigsamen Team. Aufgebracht und wütend war Vereinschef Hoffmann nach dem erneut sieglosen Spiel am Vorabend gegen Energie Cottbus (1:1). «Es hat sich keine Besserung eingestellt im Vergleich zur Hinserie», lautete das Fazit Hoffmanns, der Doll eigentlich schon in der Winterpause vor die Tür setzen wollte, sich dann aber umstimmen ließ. «Auf Grund der aktuellen Situation sahen wir uns zu der Entscheidung gezwungen. Sie war unausweichlich», meinte der Vereinschef. Die Trennung von Doll geht als 310. vorzeitiger Trainerwechsel in die Annalen der Bundesliga ein und sorgt für ein rekordträchtiges Novum: Nach dem Abschied von Magath bei Bayern München und Jupp Heynckes bei Borussia Mönchengladbach war der Rauswurf Dolls die dritte Trainerentlassung binnen 24 Stunden. HSV-Idol Uwe Seeler forderte, dass die Mannschaft «aus ihrer Lethargie» kommen müsse. Der 70-Jährige bewertete eine mögliche Verpflichtung Magaths als neuen Trainer positiv. «Felix hat ja schon oft bewiesen, dass er dafür ein richtiger Mann ist, dass er eine Mannschaft powern kann und eben aus dem Keller holen kann», sagte der Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft dem TV-Nachrichtensender N 24. Bayern-Manager Hoeneß wartete unterdessen auf frohe Kunde aus Hamburg. Sollte Magath nur einen Tag nach seiner Entlassung wieder einen neuen Job finden, würde er sich für Felix freuen, versicherte Hoeneß. «Ich bin total überzeugt, dass Felix mit den Hamburgern den Abstieg verhindern kann. Beim HSV wird er mit seiner Art, Disziplin reinzubringen, sehr schnell Erfolge haben.»
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