Ovationen nach dem «Doppelpack», stürmische Umarmungen der Mitspieler und wohlwollende Blicke von Bundestrainer Joachim Löw: Mario Gomez hat mit seinen beiden Toren beim 3:2 (1:1)- Sieg des VfB Stuttgart gegen Arminia Bielefeld beste Eigenwerbung für eine erste Nationalmannschafts-Nominierung betrieben.
«Natürlich wäre ich beim Länderspiel gern dabei. Das Nationalteam ist ein Traum für jeden Spieler. Ich möchte mich in jeder Partie empfehlen», sagte der 21-Jährige Angreifer vor der Benennung des Kaders für die Partie der DFB-Auswahl kommende Woche in Düsseldorf gegen die Schweiz.
Vor den Augen von Löw erzielte Gomez seine Saisontreffer Nummer neun und zehn (9. und 59. Minute) und schoss seinen Club damit am FC Bayern München vorbei auf den dritten Tabellenplatz. Er brachte allerdings dazwischen auch das Kunststück fertig, aus zwei Metern übers leere Tor zu schießen. Dennoch war der Deutsch-Spanier mit seiner Ausbeute zufrieden, «weil ich in dieser Saison schon oft leichtfertig mit meinen Chancen umgegangen bin». Gomez ist inzwischen als VfB-Torjäger in die Fußstapfen von Kevin Kuranyi getreten: Der Ex-Stuttgarter vom FC Schalke 04 gilt auch als sein größter Konkurrent als Stürmerkandidat für die Nationalelf.
Wie Kuranyi gilt auch Gomez nicht als ein mit allen Fähigkeiten gesegneter Angreifer. «Mario war anfangs noch phlegmatisch, aber das hat sich geändert. In der Ballannahme und - weiterleitung muss er sich allerdings noch verbessern», sagte Armin Veh. «Meiner Meinung nach würde die Nationalmannschaft nicht zu früh für ihn kommen, er ist sehr talentiert.» Andererseits will Veh nicht - wie manch anderer Kollege - versuchen, seinen Schützling dem Bundestrainer aufzudrängen: «Er kann ja nicht mit zehn Stürmern spielen.»
VfB-Teammanager Horst Heldt sagte, man müsse Gomez noch ein bisschen Zeit geben: «Er ist ja noch jung.» Der 1,89 Meter große Angreifer hat im Nachwuchsbereich alle Auswahlteams des DFB durchlaufen und war zeitweise Zimmerkollege von Lukas Podolski. Ein anderes großes Sturmtalent startete vor 23 000 Zuschauern im Daimlerstadion nach langer Durststrecke einen Neuanfang: Benjamin Lauth, Neuzugang vom Hamburger SV, bestritt sein zehnminütiges Debüt für den VfB. «Ich weiß wie stark die Konkurrenz hier ist. Das hat sie heute eindrucksvoll bewiesen», sagte der fünfmalige Nationalspieler.
Bielefelds Torwart Mathias Hain war nicht nur über die Gegentore von Gomez und Cacau stinksauer. «Wir haben heute als Kollektiv eine absolute Scheiß-Leistung abgeliefert», wetterte er. «So können wir nicht noch einmal spielen. Das war das Schlechteste, was ich bei Bielefeld je erlebt habe», meinte auch Thorben Marx.
Christian Eigler hatte zwar den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielt und dem eingewechselten Abdelaziz Ahanfouf war mit einem umstrittenen Foulelfmeter der Anschlusstreffer (86.) gelungen. «Wir haben unser Herz viel zu spät in die Hand genommen», kritisierte Trainer Thomas von Heesen jedoch nach dem achten Spiel ohne Sieg. «Ich werde aber nicht zulassen, dass wir in Depressionen verfallen.»