Als Horst Heldt im Januar 2006 überraschend sein neues Amt beim VfB Stuttgart antrat, wollte er die Chance «mit aller Macht» nutzen. In seinem ersten Lehrjahr hat der mit 1,70 Meter kleinste Manager der Fußball-Bundesliga Größe gezeigt.
Sein Meisterstück ist fällig, wenn er zusammen mit Trainer Armin Veh die Schwaben wieder zurück auf die internationale Bühne führen kann. «Als Spieler bekommt man wenig davon mit, was im Verein abgeht», sagt Heldt heute. «Der Managerposten ist sehr lernintensiv und macht großen Spaß. Man kann viel mitgestalten.»
Der zweimalige Nationalspieler betont, er sei schon immer ein Teamplayer gewesen. Er kenne seine Stärken - und seine Schwächen. Deshalb nutzt er das Knowhow, über das seine Mitstreiter in der Vereinsführung verfügen: Mit Sportdirektor Jochen Schneider hat Heldt einen Experten für Vertragsrecht an seiner Seite, mit dem Präsidenten und früheren IBM-Manager Erwin Staudt einen Mann der Wirtschaft, mit Vizepräsident Ullrich Ruf einen Finanz-Fachmann - und mit seiner in München lebenden Frau Bettina eine Anwältin. «Wenn ich einen juristischen Rat brauche, frage ich sie natürlich.»
Nur die Fitnesstrainer beim VfB nimmt er derzeit nicht in Anspruch: Ein kleines Bäuchlein ist die Last des «Schreibtisch-Täters». «Mir fehlt es nach all den Jahren mit dem vielen Training an Eigen-Motivation», räumte er in einem Interview des SWR-Fernsehens ein. «Wenn ich laufen gehe, interessiert das halt keinen.»
Von der Ersatzbank ins Chefbüro: So startete Fußballprofi Heldt übergangslos sein zweite Karriere. «Momentan ist das mein Weg. Ich glaube, dass ich in dieser Funktion besser zurechtkomme als als Trainer», sagt der 37-Jährige, der für den 1. FC Köln, 1860 München, Eintracht Frankfurt und den VfB 358 Bundesliga-Spiele bestritt.
Eine der ersten Amtshandlungen des Manager-Neulings war die Entlassung des Star-Trainers Giovanni Trapattoni. Mit Veh holte Heldt einen Coach, der in der Szene schon abgeschrieben war, und fing an, der Mannschaft ein neues Gesicht zu geben. «Es gibt bestimmt viele Dinge, die ich noch lernen muss», sagt er. «Aber wie eine Mannschaft zu funktionieren hat und bei der Außendarstellung - da können mir nicht viele was vormachen», betont er selbstbewusst. Zunächst sortierte er Reservisten wie Mario Carevic und Boris Zivkovic aus, dann schickte er Kapitän Zvonimir Soldo, hinter dessen Rücken sich so mancher Mitspieler versteckte, in den Ruhestand.
Mit den Neuzugängen Pavel Pardo, Roberto Hilbert, Ricardo Osorio und Antonio da Silva hatte Heldt ein gutes Händchen: Das Quartett erkämpfte sich auf Anhieb einen Stammplatz. Und mit den Vertrags- Verlängerungen von Kapitän Fernando Meira sowie den Top-Talenten Serdar Tasci und Sami Khedira setzte er wichtige Bausteine für die Zukunft aufeinander. Mit dem Ausleih-Geschäft von Top-Verdiener Jon Dahl Tomasson (zum FC Villareal) entledigte er sich zumindest vorerst seines größten Sorgenkindes. Und bei Timo Hildebrand zeigte dessen einstiger Kumpel Heldt Kompromisslosigkeit: Er ließ sich nicht auf einen langen Vertragspoker ein. Für den zaudernden Nationaltorwart hat er inzwischen den Nürnberger Raphael Schäfer verpflichtet.