Frank Rost hat beim Hamburger SV auch einen für die 2. Liga gültigen Vertrag unterschrieben, aber ein Abstieg aus der Fußball-Bundesliga ist für den neuen Torwart des Tabellenvorletzten praktisch unvorstellbar.
«Ich wäre nicht hierher gekommen, wenn ich nicht überzeugt wäre, dass wir unten rauskommen. Wir kommen da raus, wir holen die Punkte», versprach der 33 Jahre alte Neuzugang vom FC Schalke 04, der sich im Trainingslager der Hanseaten in Dubai gleich in die Arbeit stürzte. Rost will erst mithelfen, den HSV zu retten, dann in der kommenden Saison wieder um die Tabellenspitze mitspielen und sogar seine Karriere in Hamburg beenden. «Wenn man gut rauskommt aus der Sache, wird das einen richtigen Schub geben. Der HSV ist ein Club, der von der Tradition zu den Top-Clubs gehört.»
Die neue Nummer 1, die auf dem HSV-Trikot die 35 tragen wird, wurde in Dubai nicht nur von Trainer Thomas Doll mit offenen Armen empfangen. «Frank ist einer der besten Torhüter Deutschlands, auch wenn er zuletzt bei Schalke auf der Bank saß», erklärte Doll. Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer sieht die Ablösesumme von 800 000 Euro und die wohl mehr als fünf Millionen Euro Gehalt bis zum Vertragsende am 30. Juni 2009 gut angelegt: «Das Gesamtpaket ist okay», sagte Beiersdorfer, der mit Rost tagelang verhandelt hatte.
Abwehrspieler Bastian Reinhardt glaubt, dass der viermalige Nationaltorhüter dem jungen Team in der Rückrunde den notwendigen Rückhalt im Abstiegskampf geben wird: «Frank strahlt Ruhe und Erfahrung aus, gerade das brauchen wir in unserer Situation.»
Obwohl Rost am Samstag erst um 2.00 Uhr früh im Hotel «Al Murooj» eingetroffen war, stand er trotz Reisestrapazen und Zeitumstellung nur wenige Stunden später erstmals auf dem Platz. Die professionelle Einstellung gefiel Doll. «Frank ist heiß. Auf Grund seiner Erfahrung und Ausstrahlung kann er eine Führungspersönlichkeit sein», meinte Doll, der sich von Rost aber vor allem eines verspricht: «In erster Linie ist er der Torhüter, der uns Spiele gewinnen soll.»
Schon an diesem Montag soll Rost im ersten Spiel des HSV bei der «Dubai Football Challenge» gegen den Iran sein Debüt feiern. «Ich will den Leuten zeigen, dass es richtig war, mich hierher zu holen», sagte er. Von Doll erhofft er sich dabei wieder die Rückendeckung, die ihm Schalke-Coach Mirko Slomka ausgerechnet vor dem Top-Spiel der Königsblauen gegen Bayern München (2:2) Anfang November entzogen hatte. «Du brauchst das Vertrauen. Du musst wissen, du darfst auch mal einen Fehler machen, sonst kannst du auch nicht die ganz großen Dinge leisten», sagte Rost. «Ein Selbstgänger» werde der Ligaverbleib des HSV aber auch mit ihm nicht. «Bei vier Punkten Rückstand kann man nicht sagen, da kommt man locker raus. Da muss man schon die Nerven behalten und jeden Tag rackern. Da musst du die Ärmel hochkrempeln.»
Der vorzeitige Abschied aus Schalke fiel ihm schwer. «Es ist schade, es war eine sehr schöne Zeit.» Aber die Trennung sei nach seiner Demontage, «die nichts mit sportlichen Dingen zu tun hatte», unumgänglich gewesen. «Es hätte nie mehr Ruhe gegeben.» Der Tag der Abrechnung wird kommen, spätestens beim HSV-Gastspiel auf Schalke, dessen Datum er wie aus der Pistole geschossen nennen konnte: «Der 3. März.» Er werde aber immer «Schalke-Sympathisant» bleiben, auch wenn seine Lebensplanung eine unverhoffte Veränderung erfuhr: «Ich wollte bei Schalke meine Karriere beenden.» Jetzt soll Hamburg nach neun Jahren Werder Bremen (1993-2002) und viereinhalb bei Schalke die letzte Station seiner Profi-Laufbahn werden: «Ich bin nicht so der Reisekader, der von einem Verein zum anderen geht. Drei reichen mir.»