Jan Schlaudraff ist heiß begehrt. Die Bayern wollen ihn haben, aus Bremen liegt ein Angebot vor, Dortmund und Leverkusen sind sehr interessiert, «und auch aus dem Ausland gibt es zwei, drei Anfragen».
Kein Zweifel: Der 23-Jährige, der wegen seiner Größe von 1,80 m und nur 69 kg Körpergewicht den Spitznamen «Knochen» trägt, ist einer der Aufsteiger des Jahres unter Deutschlands Profi-Fußballern: Torschütze des Monats, Spieler des Monats, Berufung in die Nationalmannschaft - 2006 ist für den Pfarrers-Sohn ein Glücksjahr. «Jetzt muss ich Kontinuität reinbringen, mich weiter entwickeln und konstant spielen», sagte er der Zeitung «Die Welt».
Dabei hat die Karriere des Umworbenen einen Knick. Bei Borussia Mönchengladbach wollte ihn Trainer Dick Advocaat in der Saison 2004/2005 nicht mehr haben, Schlaudraff wechselte auf Leihbasis zu Alemannia Aachen in die 2. Liga. Doch auch dort lief es zunächst überhaupt nicht gut. 15 Mal wurde er eingesetzt, 15 Mal erzielte er kein Tor. Dann begann sein stetiger Aufstieg: Mit elf Treffern bei 29 Zweitliga-Einsätzen war Schlaudraff in der Spielzeit 2005/2006 ein Garant für die Rückkehr der Aachener in die deutsche Elite-Klasse.
«Ich nehme mich nicht für zu wichtig.» So lautet einer der zentralen Sätze im Leben des Fußballers Schlaudraff. Die Mannschaft und deren Erfolg zählen, «obwohl ich auch für mich selbst spiele, klar», sagt er selbstbewusst. Und: «Es läuft rosig.» So rosig, dass ihn Bundestrainer Joachim Löw in die Nationalmannschaft beorderte und Schlaudraff am 7. Oktober im Testspiel gegen Georgien seinen Einstand im Trikot des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gab.
«Wie ein Schlange» winde sich Schlaudraff um seine Gegenspieler, sagte sein ehemaliger Coach Dieter Hecking über den offensiven Mittelfeldmann. Schnelligkeit und eine hervorragende Balltechnik zeichnen den Profi aus - erlernt beim Spiel mit seinem älteren Bruder und Freunden auf einer Wiese neben dem Gemeindehaus: «Ich wollte nicht immer als Letzter gewählt werden. Daher habe ich immer geübt.»
Ein Geheimnis für Schlaudraffs steilen Aufstieg gibt es nicht. Wohl aber Dankbarkeit, als nach einer rätselhaften Arthritis seine Laufbahn ernsthaft in Gefahr geriet, für das Genesen. Und Dankbarkeit dafür, dass seine Vorgesetzten auf ihn bauten, als er seinem Beruf wieder nachgehen konnte: «Ich spüre einfach das Vertrauen meiner Trainer. Seit zwei Jahren setzen die kontinuierlich auf mich.»
Und das zahlt sich aus, wenngleich für Alemannia Aachen nicht in großen Summen. «Nur» 1,2 Millionen Euro wird der Club erhalten, wenn Schlaudraff seinen jetzigen Arbeitgeber zum Saisonende mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit verlassen wird. «Ich kann mir nur sehr, sehr schwer vorstellen, dass ich bleibe. Die absoluten Top- Clubs fragen an, da sind die Chancen sehr gering», sagte er. Welche Wahl er treffen wird? «Da bin ich noch unentschieden, obwohl es eine Tendenz gibt.» Er verrät sie nicht, denn «noch bin ich ein Aachener».