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Barcelona ist für Werder eine Nummer zu groß

Barcelona (dpa) - 06.12.2006, 10:47 Uhr

Deco (l) vom FC Barcelona kämpft mit Bremens Torsten Frings um den Ball.
Deco (l) vom FC Barcelona kämpft mit Bremens Torsten Frings um den Ball.

Schonungslos und drastisch fiel die Selbstkritik von Per Mertesacker aus. «Es lag an unserer eigenen Blödheit», klagte Werder Bremens Nationalspieler nach dem bitteren 0:2 (0:0) beim FC Barcelona.

«Die ersten 20 Minuten waren nicht Champions-League-würdig.» Tatsächlich lag es aber nicht nur an den zunächst verschüchterten und lange überforderten Bremern selber, sondern vielmehr am atemberaubenden Spaß- und Tempo-Fußball der katalanischen Weltauswahl. Barcelona, so lautete die bittere Erkenntnis, war mindestens eine Nummer zu groß. Oder andersherum: Selbst der in der Bundesliga gefürchtete Spitzenreiter ist vom europäischen Topniveau weit entfernt und wurde so vorgeführt, wie er es sonst mit der heimischen Konkurrenz macht.

«Wir hätten sogar noch mehr Gegentreffer kassieren können», fasste Torhüter Tim Wiese die beeindruckende Übermacht des Titelverteidigers ehrlich zusammen. Wie ein Orkan war das Starensemble durch die Bremer Abwehr gefegt, zelebrierte einen Angriff nach dem nächsten, beließ es aber bei einer 45-minütigen Demonstration höchster Fußballkunst. «Wir hatten unseren Job schon in der ersten Halbzeit erledigt», sagte Barca-Stürmer Eidur Gudjohnsen (18.), der neben Ronaldinho (13. Minute) ins Werder-Tor traf. «Das hat uns gereicht.»

Ernüchternd war besonders, dass ausgerechnet international erfahrene Spieler wie Torsten Frings, Tim Borowski oder Pierre Wome lange wie von Erfurcht erstarrt wirkten. Die Werder-Verantwortlichen waren indes um mäßigende Worte bemüht. «Schade ist, dass wir Barcelona nicht einmal die Chance gegeben haben, nervös zu werden», kleidete Manager Klaus Allofs seine Kritik in elegante Sätze: «Wenn wir ein Tor geschossen hätten, hätte ich gerne ein bisschen Angst in ihren Augen gesehen.»

So aber diskutierten die Bremer vor allem über Ronaldinhos fantastischen Freistoß, den der Superstar unter der hoch springenden Mauer hindurch ins Tor geschossen hatte. «So ein Ball darf nicht durchgehen», kritisierte Trainer Thomas Schaaf», während Mertesacker sagte: «Ronaldinho ist einfach eine Wundertüte.» Der Brasilianer verriet: «Den Trick hatten wir in der Woche trainiert.»


Trotz der klaren Niederlage und des verpassten Achtelfinales durften die Bremer ein insgesamt positives Fazit ihrer dritten Champions-League-Saison in Folge ziehen. «Wir müssen auf dem Teppich bleiben, das hier war schließlich Barcelona, und wir waren in der mit Abstand schwersten Gruppe», sagte Allofs. In der Tat hat Werder einen weiteren großen Schritt gemacht, auch wenn es bis zur europäischen Spitze noch ein gutes Stück Weg ist. Zehn Punkte in der so genannten Todesgruppe mit den «beiden besten Vereinsmannschaften der Welt», wie nicht nur Wiese Barca und Chelsea einstuft, sind aller Ehren wert.

«Wenn ich alle Champions-League-Spielzeiten vergleichen müsste, würde ich diese als unsere stärkste einstufen», kommentierte Allofs. «Nur wenige haben uns zugetraut, dass wir so viele Punkte holen.» Immerhin verhinderten die Bremer in Barcelona ein Debakel, wie sie es noch im März 2005 bei Olympique Lyon mit sieben Gegentreffern erlebt hatten. «Zum Glück kam die Pause», sagte Schaaf. Und die Bremer zeigten in den zweiten 45 Minuten zumindest in Ansätzen jenes Spiel, mit dem sie in Deutschland die Fans begeistern und mit dem sie Barcelona im Hinspiel (1:1) am Rande einer Niederlage hatten.

Die nun folgende Teilnahme am UEFA-Cup war für die meisten Bremer nur ein schwacher Trost. «Damit wollen wir uns noch nicht beschäftigen, erst kommen zwei Ligaspiele», sagte Schaaf. Dass die Auslosung der nächsten beiden UEFA-Cup-Runden am 15. Dezember ist, wussten die Werderaner indes ganz genau. Allofs: «Wir wären doch Fantasten gewesen, wenn wir uns nach der Champions-League-Auslosung nicht mit diesem Thema beschäftigt hätten.»

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