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Max Merkel im Alter von 87 Jahren gestorben

München (dpa) - 29.11.2006, 13:40 Uhr

Der ehemalige Fußball-Trainer Max Merkel  im November 1989.
Der ehemalige Fußball-Trainer Max Merkel im November 1989.

Der große Zampano ist tot. Trainer-Legende Max Merkel starb im Alter von 87 Jahren nach langer Krankheit in seinem Haus in Putzbrunn bei München.

Die Familie des gebürtigen Wieners, der Frau Marion und eine Tochter hinterlässt, bestätigte den Tod, der überall Betroffenheit auslöste. «Sein Tod erfüllt mich mit Trauer», sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger der dpa, «er war ein großartiger Trainer und auch ein Unterhaltungskünstler.» Ehrenspielführer Uwe Seeler, der beim Urlaub in Österreich von der Nachricht überrascht wurde, bezeichnete Merkel als «tollen Trainer, wirklich netten Menschen und Spaßvogel, der bis ins hohe Alter immer einen Spruch auf den Lippen hatte.»

Bei Münchner Wegefährten hinterließ Merkels Tod Trauer. «Ein Stück meines Fußballerlebens ist weggebrochen», sagte Fredi Heiß, der unter Merkel 1966 mit dem TSV 1860 München deutscher Meister wurde. Auch der 1. FC Nürnberg, den Merkel zwei Jahre später zum Titel führte, trauert um den Meistermacher. «Er war ein großer Trainer. Der FCN und der Fußball in Deutschland haben ihm unendlich viel zu verdanken», erklärte Präsident Michael A. Roth.

Wie kaum ein anderer hatte Merkel den Fußball in seiner Trainerzeit und später als zynischer, aber auch humorvoller Kritiker verkauft. Doch in den letzten zwei Jahren scheute er die Öffentlichkeit. «Er hat sich nicht mehr vor die Tür getraut», sagten Bekannte. Zuletzt sei der Kontakt abgerissen, erzählte Paul Breitner, der wie Merkel beißende Kommentare für die «Bild»-Zeitung schreibt. «Er war unbezahlbar für dieses Geschäft und quasi der Obertrommler», erinnerte sich der ehemalige Kapitän des FC Bayern München.

Mit «frecher Schnauze, aber nie unter der Gürtellinie», so Eintracht Frankfurts Trainer Friedhelm Funkel, ging er mit spitzer Feder und respektlos mit Freunden und Gegnern um. Bayern-Coach Felix Magath meinte: «Er war in seiner Zeit einer der besten Trainer in Deutschland. Der deutsche Fußball beklagt den Verlust einer Persönlichkeit.»


Auch als Trainer kannte Merkel keine Gnade. «Mit ihm hatten wir bei 1860 die erfolgreichsten Jahre», sagte Torwart-Legende Petar Radenkovic, «aber wir Spieler hatten kein gutes Verhältnis zu ihm. Er war ein rücksichtsloser Mann.» Mit «Zuckerbrot und Peitsche» gewann Merkel als damals bestbezahlter Bundesligatrainer (17 000 Mark monatlich) neben der Meisterschaft auch den Pokal (1964) und erreichte das Europacupfinale der Pokalsieger (1965).

Der oft umstrittene «MM» verkörperte nahezu perfekt den Typus des Erfolgstrainers und war ein Markenzeichen im internationalen Fußball. Nach seiner Laufbahn als Spieler bei Rapid Wien, wo er mit dem mit allen Wassern gewaschenen Ernst Happel ein legendäres Verteidigerpaar bildete, ging er der gelernte Maschinenbau-Ingenieur mit 35 Jahren als Trainer nach Den Haag. Von 1955 bis 1956 trainierte er die niederländische Nationalmannschaft, mit der er Deutschland in Düsseldorf 2:1 bezwang. Die erste Station in Deutschland war Borussia Dortmund (1958 bis 1961), bevor er zu 1860 ging. Nach seiner Entlassung in München wechselte Merkel zum 1. FC Nürnberg, rettete die Franken vor dem Abstieg und wurde anschließend Meister. Danach stieg der «Club» ab, und der «stramme Max» musste seinen Hut nehmen.

Nach sechs Jahren in Spanien beim FC Sevilla und Atletico Madrid kam der Sohn eines preußischen Offiziers und einer Wienerin wieder nach Deutschland. Gastspielen bei 1860 München, Schalke 04 und dem FC Augsburg folgte eine Verpflichtung als Sportdirektor beim Österreichischen Fußball-Bund (ÖFB). Danach verhinderte eine von Sepp Maier und Breitner geführte Spielerrevolte gegen den damaligen Präsidenten Wilhelm Neudecker den Einstieg Merkels beim FC Bayern. Nach einem Jahr Pause rettete er den Karlsruher SC vor dem Abstieg und trat im April 1983 beim FC Zürich für zwei Monate seine letzte Trainerstation an.

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