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Trotz Rekordschulden: Patient Hertha spürt Heilung

Berlin (dpa) - 28.11.2006, 14:19 Uhr

Dieter Hoeneß steht vor einem
Dieter Hoeneß steht vor einem "Hertha"-Schriftzug in Berlin.

Von der Intensivstation ist Hertha BSC schon ein Jahr entlassen, nun spürt der Patient immer weitere Genesungs- Fortschritte. Die laufende Fußball-Saison will der Hauptstadtclub erstmals seit Jahren ohne finanzielle Verluste abschließen.

Im Sommer 2007 sollen 4,5 Millionen Euro Gewinn auf der Haben-Seite stehen, dazu sollen die Verbindlichkeiten weiter reduziert werden. «Nach Abschreibungen und Zinsen planen wir mit einer schwarzen oder roten Null», erklärte Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller nach der Mitgliederversammlung der Herthaner. «Wir haben unsere Finanzen völlig neu geordnet. Die Liquidität ist mindestens bis 2010 gesichert», ergänzte er am Tag danach.

Für den Bilanz-Stichtag 30. Juni 2006 musste Schiller noch den Rekord-Schuldenberg von 55,4 Millionen Euro einräumen. «Das war aber nur eine kurzfristige Verschiebung, die mit auf zwei ausstehenden Zahlungen beruhte», begründete der «Herr des Geldes» bei der Hertha KG. Schiller hatte den über 800 anwesenden Mitgliedern - insgesamt hat der Verein seine Mitgliederzahl seit 2000 auf 14 127 so gut wie verdoppelt - lieber den aktuellsten Schuldenstand von 45,2 Millionen am 31. Oktober als Erfolgsmeldung präsentiert. Und Manager Dieter Hoeneß, der auf der Versammlung nochmals seine persönliche Zehn- Jahres-Bilanz bei Hertha vom dahindümpelnden Zweitligisten zum ambitionierten Erstligisten nachzeichnete, verkündete: «Wir wollen in den nächsten Jahren die Verbindlichkeiten halbieren.»

Hertha will die Einkünfte in dieser Spielzeit im Vergleich zur vergangenen Saison um gleich 16 Millionen Euro erhöhen. 2005/06 hatte der Club 55 Millionen Euro erwirtschaftet, aber 68,9 Millionen ausgegeben. Nach Zinsen und Abschreibungen summierte sich der Verlust sogar auf 16,8 Millionen Euro. Angesichts dieser Zahlen bremste der uneingeschränkte «Macher» Hoeneß bei den Fans die Hoffnungen auf personelle Verstärkungen für das Profi-Team, vielleicht sogar schon zur Winterpause. Bei besserer Ertragslage würden zunächst die Verbindlichkeiten getilgt, dann in die Mannschaft investiert, nannte er die Reihenfolge: «Ich will da keine falschen Hoffnungen machen. Wir werden uns aber weiter ganz gezielt verstärken.»

Mit bis zu sechs Millionen Euro mehr aus dem neuen TV-Vertrag der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und zehn Millionen mehr «aus anderen Bereichen» (Schiller) - der neue Hauptsponsor zahlt acht Millionen pro Saison - soll Anschluss an die wirtschaftliche Tabellenspitze der Liga mit Bayern, Schalke, Dortmund, dem HSV und Bremen gehalten werden. Hertha setzt dabei weiter auf den Trumpf Jugend. «Viele junge Leute haben eingeschlagen. Das macht für die Zukunft unglaublich Hoffnung, dass wir einmal einen Titel holen», verkündete Trainer Falko Götz und wurde von den Mitgliedern bejubelt. Der nächste designierte Nationalspieler stehe mit Kevin Boateng bei Bundestrainer Joachim Löw schon auf dem Zettel, ergänzte Hoeneß.

Der Manager sorgte mit zwei personalpolitischen Ankündigungen für Beifall: Routinier Pal Dardai soll einen neuen Vertrag bekommen, mit Arne Friedrich will die sportliche Leitung die Streichung einer wichtigen Vertragsklausel verhandeln. Derzeit kann der Kapitän und Nationalspieler Hertha zu Saisonende verlassen, falls der Club nicht mindestens in den UEFA-Pokal kommt. «Ich glaube, dass Arne bleibt, egal, ob wir den UEFA-Cup erreichen oder nicht», sagte Hoeneß.


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