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Frontzeck greift durch: Schlaudraff aus dem Kader

Aachen (dpa) - 07.11.2006, 10:53 Uhr

Aachens Trainer Michael Frontzeck will Zeichen setzen.
Aachens Trainer Michael Frontzeck will Zeichen setzen.

Dem Traumstart folgte die Ernüchterung. Um die aufkommende Unruhe im Profi-Kader von Alemannia Aachen rigoros einzudämmen, scheut Michael Frontzeck auch vor unpopulären Maßnahmen nicht zurück.

Mit dem Hinweis, dass «einige im Team ihr Ego zu hoch hängen», strich der Trainer des Fußball-Bundesligisten ausgerechnet «Shooting-Star» Jan Schlaudraff aus dem Kader für das Spiel gegen Borussia Dortmund. «Wir leben von der mannschaftlichen Geschlossenheit, Jan kann die Auszeit nutzen, um sich über einige Dinge im Klaren zu werden», sagte Frontzeck.

Wie immer blieb der 42 Jahre alte Coach, der erst am 12. September sein erstes Amt als Bundesliga-Cheftrainer antrat, auch bei diesen Worten äußerlich gelassen. Frontzeck gehört nicht zu den Menschen, die ihre Emotionen öffentlich zur Schau stellen. «Ich bin in der Beziehung ein introvertierter Typ und lasse alles innerlich ablaufen», sagte er. «Auch, wenn es die Situation erlaubt, müssen wir immer wissen, dass Aufsteiger nicht träumen dürfen.» Sein Vorgänger Dieter Hecking (jetzt Hannover 96) hatte die Alemannia nach nur drei Spieltagen aus persönlichen Gründen verlassen. Der Debütant feierte in seinen ersten vier Spielen direkt drei Siege.

Gelernt habe er seine Erkenntnisse in «einem Vierteljahrhundert, in dem ich auf nationaler Bühne alles mitmachen durfte». 436 Bundesliga-Einsätze bestritt der gebürtige Mönchengladbacher für vier verschiedene Vereine. Er wurde 1992 mit dem VfB Stuttgart deutscher Meister, spielte im Europacup, stieg zum Nationalspieler auf und auch zwei Mal aus der Bundesliga ab. Ungern erzählt Frontzeck von den alten Zeiten, weist aber daraufhin, dass «mein Erfahrungsschatz sehr wichtig ist. Ich kann mich in alle Situationen hinein versetzen».

Deshalb ist das mit dem «Neuling» auch so eine Sache. Fünf Jahre arbeitete Frontzeck als Co-Trainer von Hans Meyer und Ewald Lienen. Als Lienen im Sommer nach Griechenland wechselte, hätte er seinem Ex-Chef folgen können, entschied sich aber für die Selbstständigkeit. Ein Bundesliga-Engagement hatte er nicht im Sinn. «Ich habe mich auf die Regionalliga konzentriert. Es gibt ja viele gute Trainer, aber nur ein begrenztes Angebot an Arbeitsplätzen», sagt er.


Aachens Sportdirektor Jörg Schmadtke, den Frontzeck bereits seit Jugendzeiten kennt, engagierte ihn dann doch. Den Trainer bestätigte das in seinem Glauben, dass in der Fußballbranche viel von Glück und Zufall abhängig ist: «Wer seine Chance bekommt, muss sie nutzen. Wenn sie dich nach drei Monaten weghauen, kann es das für immer gewesen sein.»

Aachen bezeichnet er deshalb als «glückliche Fügung». «Dinge, die funktionieren, muss ich nicht umwerfen und denken, dass ich den Fußball neu erfinden kann», sagte Frontzeck. Er glaubt jedoch, dass allein die Präsenz eines neuen Trainers für das Team eine enorme Veränderung gewesen sei. Die «eigene Handschrift» hat für ihn noch keine Bedeutung. Als Coach habe er Ansichten, die er guten Gewissens vertreten könne: «Darüber philosophieren kann ich später mal am Kamin, aber nicht nach acht Wochen.»

Mit der für Nationalspieler Schlaudraff verordneten «Denkpause», die Frontzeck nach drei Niederlagen hintereinander aussprach, hofft er ein Signal gegen den Schlendrian gesetzt zu haben. Vom Klassenverbleib, dem einzigen Saisonziel, das für Aachen zählt, ist er überzeugt. Wird der «introvertierte Typ» dann endlich mal auf dem Rasen tanzen? «Nee», sagt Frontzeck und winkt ab: «Das können Sie vergessen.»

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