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Gewalt-Gipfel: DFB und DFL diskutieren Maßnahmen

Frankfurt/Main (dpa) - 30.10.2006, 18:27 Uhr

DFB-Präsident Theo Zwanziger spricht auf einer Pressekonferenz.
DFB-Präsident Theo Zwanziger spricht auf einer Pressekonferenz.

Der deutsche Fußball sorgt sich um seinen guten Ruf. Aufgeschreckt durch die jüngsten Ausschreitungen in deutschen Stadien haben der DFB und die DFL für den 31. Oktober zu einem «Grundsatzgespräch» über die gravierenden Vorfälle des vergangenen Wochenendes geladen.

DFB-Präsident Theo Zwanziger und Liga-Präsident Werner Hackmann haben den «Gewalt- Gipfel» in die Frankfurter DFB-Zentrale zur Chefsache erklärt. Auf Initiative Zwanzigers wurden am Wochenende ausführliche Berichte über die Vorfälle in Berlin, Augsburg und Pforzheim angefordert. «Wir werden darüber diskutieren, wie wir der Sache von unserer Seite aus Einhalt gebieten können», meinte der DFB-Präsident, der in einem Gespräch mit Hackmann mögliche Konsequenzen erörtern und über eventuelle kurzfristige Maßnahmen beraten will.

Derweil leitete der DFB-Kontrollausschuss ein Ermittlungsverfahren gegen den Nord-Regionalligisten Dynamo Dresden ein. Nach den schweren Ausschreitungen von Dresdner Anhängern während des Regionalliga-Spiels Hertha BSC Berlin II gegen Dynamo (1:1) wurde Dresden zu einer zeitnahen schriftlichen Stellungnahme aufgefordert. Wie der DFB mitteilte, soll «im Anschluss daran über den weiteren Fortgang des Verfahrens» entschieden werden.

Zuvor hatte der DFB darauf hingewiesen, dass er unabhängig von den jüngsten Vorfällen bereits Anfang Oktober beschlossen habe, alle deutschen Fan-Gruppen zu einem Kongress Ende Januar/Anfang Februar 2007 einzuladen. Dies hatte der DFB-Sicherheitsbeauftragte Alfred Sengle am 13. Oktober in Berlin bei der Vorstellung einer Studie des Fan-Forschers Gunter A. Pilz über Rassismus in deutschen Stadien angekündigt. Ein DFL-Sprecher gab bekannt, dass die DFL derzeit 23 Projekte mit einem finanziellen Volumen von einer Million Euro unterstütze.

Für die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) in Düsseldorf sind Krawalle wie die in Augsburg und Berlin keine außergewöhnliche Erscheinung und auch keine Trendwende. «Was sich am letzten Wochenende ereignet hat, ist bedauerlich, aber nicht neu. Die uns vorliegenden Zahlen von Vorfällen dieser Art zeigen, dass die Situation seit fünf, sechs Jahren so ist», sagte ZIS-Leiter Michael Endler. Vielmehr habe die Öffentlichkeit dies nicht so wahrgenommen. «Da gibt es einen Nachholbedarf», meinte der Polizeidirektor.


Möglicherweise habe man geglaubt, der Hooliganismus sei auf dem Rückzug, weil in den Bundesliga- und Zweitliga-Stadien es nur noch sehr selten zu Vorfällen komme. «Viele selbst ernannte Kenner meinten deshalb, es gebe Gründe, den Hooliganismus tot zu sagen. Doch dies ist nicht der Fall», sagte Endler. «Die Stadien-Neubauten bieten von der Architektur keinen Platz für Krawalle.» Außerdem hätten die Ordnerdienste aus der Vergangenheit gelernt und würden viel effektiver eingesetzt.

Wie man in Zukunft besser auf die Gewalt bei Fußballspielen der unteren Ligen reagieren kann, wird Thema der Konferenz des Nationalen Ausschusses Sport und Sicherheit am 8. November in Düsseldorf sein. «Wir werden darüber beraten, wie wir mit Ausschreitungen zum Beispiel auch in einer möglichen 3. Liga umgehen», sagte Endler. Mitglieder des nationalen Gremiums sind nicht nur Vertreter der Sicherheitsbehörden, sondern auch Experten von Verbänden und Fanvereinigungen.

Beim Zweitligaspiel FC Augsburg - 1860 München war es ebenso zu schweren Ausschreitungen gekommen wie bei der Regionalliga-Partie Hertha gegen Dresden. Bei den Krawallen im Pankower Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion wurden 23 Polizisten zum Teil schwer verletzt, 22 Personen wurden festgenommen. In Augsburg nahm die Polizei 21 Randalierer vorläufig fest. Zu einem Zwischenfall kam es auch in der Oberliga Baden-Württemberg, als rund 30 Anhänger des SVW Mannheim in der Partie beim 1. FC Pforzheim das Feld stürmten. Im Fußball-Kreis Siegen-Wittgenstein wurden alle Kreisliga-Spiele abgesagt, weil sich Schiedsrichter geweigert hatten, Spiele bestimmter Mannschaften zu leiten.

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