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Rassismus: DFB fordert hohe Geldstrafen

Frankfurt/Main (dpa) - 22.09.2006, 16:55 Uhr

Der Aachener Moses Sichone.
Der Aachener Moses Sichone.

Der DFB greift im Kampf gegen Rassismus durch: Nach den Schmährufen beim Bundesliga-Spiel Alemannia Aachen gegen Borussia Mönchengladbach hat der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes Anklage gegen beide Vereine erhoben.

Die Clubs sollen wegen des unsportlichen Verhaltens ihrer Fans mit hohen Geldstrafen belegt werden. Der Kontrollausschuss forderte für die Aachener eine Strafe von 75 000 Euro, die Borussia soll 25 000 Euro zahlen. In der vergangenen Woche war Zweitligist Hansa Rostock wegen rassistischer Vorfälle zu einer Geldstrafe von 20 000 Euro verurteilt worden. Die Hanseaten reagierten mit einem bundesweiten Stadionverbot gegen zwei Personen.

Beim West-Derby in Aachen war am vergangenen Samstag der für Gladbach spielende Brasilianer Kahe minutenlang von Zuschauern als «Asylant» beschimpft worden. Später hatte es auch Verbalattacken gegen Alemannia-Verteidiger Moses Sichone gegeben. Schiedsrichter Michael Weiner (Giesen) hatte daraufhin mit einer Spiel-Unterbrechung gedroht und nach der Partie einen Sonderbericht für den DFB angefertigt. Die vom DFB geforderten Stellungnahmen von Aachen und Mönchengladbach zu den Vorfällen auf dem Tivoli gingen beim Verband ein. Ob es in dem Verfahren eine schriftliche Einzelrichter-Entscheidung des DFB-Sportgerichts oder eine mündliche Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht geben wird, soll erst nach weiteren Untersuchungen in der kommenden Woche entschieden werden.

Borussia-Geschäftsführer Stephan Schippers sprach von einem «drakonischen Strafmaß», gegen das sich der Verein wehren werde. «Es gab von unseren Fans keinen fremdenfeindlichen Hintergrund», sagte Schippers. Zudem hätten die Gladbacher Anhänger auf Provokationen der Aachener Fans reagiert, dies müsse als strafmildernd gelten. Auch Alemannia-Manager Jörg Schmadtke kündigte weitere Gespräche mit dem DFB an. «Grundsätzlich ist der eingeschlagene Weg, dies hart zu bestrafen, der Richtige. Wir unterstützen den DFB auch dabei. Aber in unserem speziellen Fall gibt es noch einiges zu klären», sagte Schmadtke.

Der FC Hansa hatte nach den rassistischen Vorfällen im Ostseestadion Konsequenzen gezogen und zwei Fans bundesweit für drei Jahre aus allen Stadien der drei höchsten Spielklassen verbannt. Der Schalker Nationalspieler Gerald Asamoah war beim DFB-Pokalspiel der zweiten Rostocker Mannschaft von Hansa-Fans mit Urwaldgeräuschen beleidigt worden. Nach Hinweisen aus der Fanszene und Befragungen des Ordnungsdienstes konnten zwei Personen eindeutig als Täter ermittelt werden, teilte der Verein am Freitag mit.


Einem Bericht der «Bild»-Zeitung zufolge soll es sich bei einer Person um eine Kindergärtnerin aus Stralsund handeln, die jedoch ihre Unschuld beteuerte. «Ich fühle mich als Bauernopfer», sagte die 39-Jährige der dpa. Sie will gegen die Strafe mit Hilfe eines Anwalts vorgehen. Der FC Hansa verteidigte hingegen sein Vorgehen und sprach von gesicherten Erkenntnissen. «Wir werden sicherlich nicht einfach willkürlich ein Stadionverbot aussprechen», sagte Rainer Friedrich, Veranstaltungsleiter des Ostseestadions.

Das Stadionverbot ergibt sich nach Friedrichs Aussagen aus den entsprechenden Richtlinien des DFB, der solche Strafen verwaltet und koordiniert. «Wenn jemand mit einem Stadionverbot dennoch ein Stadion betritt, droht ihm ein Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs und Verlängerung des Stadionverbots», sagte Friedrich. Nach Angaben des Hansa-Funktionärs seien Stadionverbote eine Präventivmaßnahme auf zivilrechtlicher Grundlage.

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