Bremens Trainer Thomas Schaaf gestikuliert an der Seitenlinie.
Krisen, Konflikte und Querelen: Nach den Pleiten am vergangenen Wochenende und den folgenden Turbulenzen steht vor allem bei den Top-Clubs der Fußball-Bundesliga am 5. Spieltag Frustbewältigung auf dem Plan.
Nur Siege können Meister FC Bayern München, den enttäuschend gestarteten Champions-League-Teilnehmern Hamburger SV und Werder Bremen, die sich im Nordderby in der AOL-Arena gegenüber stehen, sowie dem FC Schalke 04 oder Bayer Leverkusen den Weg aus der Misere weisen.
Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hat die Ursache für die Formschwächen der großen Vereine nun an der WM festgemacht. «Ich habe den Eindruck, dass die Clubs, die viele Nationalspieler zur Weltmeisterschaft abgestellt haben, jetzt die 'Zeche' dafür zahlen», schrieb er vor dem Heimspiel gegen Alemannia Aachen im «Bayern- Magazin»: Es sei kein Zufall, dass diese Vereine «noch nicht in bester Verfassung sind, sein können». Rummenigge forderte die Deutsche Fußball Liga (DFL) auf, für die Zukunft über einen späteren Saisonstart nachzudenken, um «Wettbewerbs-Gleichheit» zu garantieren.
Bayern-Coach Felix Magath musste sich ebenso wie die Spieler nach der 1:2-Schlappe in Bielefeld deftige Worte aus der Vorstandsetage anhören, bemüht sich vor der Partie gegen Alemannia Aachen aber um Gelassenheit. «Ich gehe davon aus, dass wir wieder erfolgreich sein werden», sagte Magath. Unmissverständlich forderte Manager Uli Hoeneß im Interview mit den «Aachener Nachrichten/Zeitung» einen Sieg. «Wenn der deutsche Meister gegen einen Aufsteiger zu Hause vor 70 000 Zuschauern spielt, kann ich nicht von einem Unentschieden ausgehen», sagte Hoeneß.
Laut Hoeneß habe sich die geäußerte Kritik von Rummenigge («Wir müssen die Zügel anziehen») und Präsident Franz Beckenbauer («Es darf kein Dauerzustand werden») aber nicht gegen Magath gerichtet. «Man muss das als deutliche Aufforderung an die Spieler verstehen. Wir lassen uns solche Auftritte wie in Bielefeld nicht bieten.»
Vor dem Nordderby bläst auch dem Tabellen-15. HSV und Bremen der Wind heftig ins Gesicht. In beiden Lagern ist die Stimmung mies, das Duell wird zum Krisengipfel. HSV-Coach Thomas Doll schwor seine in acht Pflichtspielen sieglose Truppe in einer Aussprache auf das «Ende des Dornröschenschlafs» ein. «Ich will nur eines sehen - ein Team», forderte Doll. Nach vier Pflichtspiel-Niederlagen in Serie ist auch beim Gegner das Betriebsklima gestört. Nicht zuletzt deshalb hofft Trainer Thomas Schaaf auf das Saisondebüt von Per Mertesacker und die rechtzeitige Genesung von Miroslav Klose (Fußprellung), der gegen den HSV schon neun Mal traf. «Ein Sieg würde uns gut tun», meinte Schaaf.
Beim FC Schalke lief es eigentlich gut. Bis man sich einmal mehr selbst aus dem Rhythmus brachte und in Berlin 0:2 verlor. Mit dem Ärger um die inzwischen aufgehobene Suspendierung von Gerald Asamoah und dessen vom Sturmkonkurrenten Halil Altintop weiter getratschten Äußerungen traten die Animositäten offen zu Tage. Inständig hoffen alle Verantwortlichen nach zahlreichen Gesprächen auf einen Erfolg gegen die nicht minder zerstrittene Elf des VfL Wolfsburg. «Wir müssen jetzt als Mannschaft zeigen, wozu wir im Stande sind», beschwor Manager Andreas Müller den Teamgeist. Auch Gäste-Trainer Klaus Augenthaler erwartet von seinem noch sieglosen Team eine andere Einstellung als zuletzt: «Jeder wird kämpfen ohne Ende.»
Mit nur einem Saisonsieg blieb auch Leverkusen bisher hinter den Erwartungen zurück. Mit der Rückkehr von Kapitän Carsten Ramelow im Spiel bei Hannover 96 erhofft sich Michael Skibbe mehr Stabilität. Beim Heimdebüt als Trainer von Hannover 96 stellte Dieter Hecking seinem Torwart Robert Enke frei, ob er nach dem Tod seiner Tochter Lara zwischen die Pfosten gehen will. «Wenn Robert spielt, sollte man eine so normale Atmosphäre schaffen wie möglich», sagte Hecking, dessen Elf mit einem Trauerflor antritt.
Zum Abschluss des Spieltages empfängt im Duell der Überraschungsteams Aufsteiger Energie Cottbus den 1. FC Nürnberg. Und das noch sieglose «Schlusslicht» VfL Bochum hofft vor eigenem Publikum auf das dringend benötigte Erfolgserlebnis gegen Bayern-Bezwinger Bielefeld. «Es wird Zeit für einen Dreier», sagte VfL-Trainer Marcel Koller.