Hamburg (dpa) - 21.09.2006, 16:28 Uhr
Auch nach den jüngsten rassistischen Schmährufen in Rostock und Aachen sehen Fan-Vertreter kein grundsätzliches Rassismus-Problem im deutschen Profi-Fußball.
«Die da rufen, das sind nur Einzelpersonen», sagte Robert Jacobs, der Fan-Beauftragte des Bundesligisten Alemannia Aachen, bei einer dpa-Umfrage. Einer Studie des Hannoveraner Fanforschers Professor Gunther A. Pilz zufolge sind rassistische Beleidigungen in vielen Stadien zwar zurückgegangen, seien aber lediglich subtileren Formen wie Sexismus und verbalen Angriffen auf Homosexualität gewichen. Außerhalb der Arenen würden Fans weiterhin rassistische Ansichten äußern.
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte zu Beginn der Woche Ermittlungen gegen die Bundesligisten Alemannia Aachen und Borussia Mönchengladbach eingeleitet, nachdem beim Aufeinandertreffen beider Vereine am Samstag der Gladbacher Kahe und der Aachener Moses Sichone von Zuschauern beschimpft worden waren. Borussias Anhang wehrt sich gegen die Vorwürfe. «Offen politisch motivierter Rassismus und Fremdenfeindlichkeit findet grundsätzlich in unserer Fanszene nicht statt», sagte Thomas Ludwig, Vorsitzender des Gladbacher Fan- Projekts. Es sei der falsche Weg, nach verbalen Entgleisungen Einzelner «eine ganze Fanszene zu verurteilen», warnte Ludwig.
Auch Fan-Vertreter anderer Erstligisten gehen trotz der neuerlichen Vorfälle nicht von einem Trend aus. «Das ist alles schon seit Jahren bei uns überhaupt kein Thema», sagte Andreas Hornung, Fan-Beauftragter von Eintracht Frankfurt. Auch Hornungs Kollegen bei den Liga-Rivalen VfL Wolfsburg und FSV Mainz 05 sehen ihren Anhang weitgehend frei von rassistischen Tendenzen. «Es ist viel besser geworden, zumal ja in jedem Verein farbige Profis spielen. Da hat es irgendwann auch der Dümmste begriffen», meinte Jürgen Bergmann vom 1. FC Nürnberg. «Bei unseren Heimspielen habe wir da keine Probleme», sagte Ronny Gersch, Sprecher des FC Energie Cottbus.
Fanforscher Pilz warnte in einer Studie allerdings, das Rassismus- Problem im Fußball sei keineswegs bewältigt. Zwar äußerten in einer Umfrage des Wissenschaftlers 71 Prozent der Fans, dass rassistische Äußerungen nicht in das Stadion gehörten. Dennoch tun nur 26 Prozent der Ultra-Anhänger in den neuen Bundesländern und 42 Prozent in den alten Bundesländern etwas dagegen. Als Ultras gelten Fans, die sich extrem mit ihren Vereinen identifizieren, nicht aber Hooligans.