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Schiedsrichter-Profis «schreckliche Vision»

Altensteig (dpa) - 30.07.2006, 09:47 Uhr

Schiedsrichterlehrwart Eugen Striegl (r) und Schiedsrichter Herbert Fandel.
Schiedsrichterlehrwart Eugen Striegl (r) und Schiedsrichter Herbert Fandel.

Die deutschen Spitzenschiedsrichter wollen auch in Zukunft Amateure bleiben - obwohl die FIFA bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika am liebsten nur noch Profi- Schiedsrichter pfeifen lassen möchte.

«Eine schreckliche Vision für mich», erklärte Volker Roth bei der Sommertagung von 39 Erst- und Zweitliga-Referees am Wochenende in Altensteig. Für den Vorsitzenden des Schiedsrichter-Ausschusses des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Europäischen Fußball-Union (UEFA) sind die Unparteiischen Profis in einem anderen Sinne: «Sie sind professionell - sie haben nur einen anderen Beruf.»

Auch für Herbert Fandel aus Kyllburg, einer von zehn deutschen FIFA-Referees, ist es unvorstellbar, nur noch «Pfeifenmann» zu sein. «Persönlichkeit entwickelt sich nicht nur auf dem Platz», betonte der Pianist. Und der Münchner Manfred Amerell vom Schiedsrichter- Ausschuss betonte für die neue Runde: «Auf die Persönlichkeit der Schiedsrichter wird sehr viel Wert gelegt, das wird das wichtigste Kriterium sein.»

Vom Verdienst her liegen die deutschen Schiedsrichter laut Roth über den Bezügen, die ihre Kollegen in Italien oder Spanien bekommen. Zumal die Vergütungen in der Saison 2006/2007 um 18 Prozent erhöht wurden: Pro Bundesliga-Spiel erhalten die Unparteiischen nunmehr 3600 Euro, die Assistenten 1800 Euro. In der zweiten Liga gibt's 1800 bzw. 900 Euro. «Sie können nicht den ganzen Tag laufen, Regeln üben und Video gucken», wehrte sich Roth gegen das Schiedsrichter-Dasein als Fulltime-Job.

Am Ende der WM war bekannt geworden, dass der Weltverband FIFA für die Ausbildung der Referees in den nächsten vier Jahren insgesamt 40 Millionen Dollar (31,223 Millionen Euro) bereitstellen will. «Wir müssen das Schiedsrichterwesen professioneller gestalten. Das ist eine Hauptlehre dieser WM», hatte Präsident Joseph Blatter gesagt.


Für das Jahr eins nach der WM machten sich 39 Unparteiische aus der ersten und zweiten Liga am Wochenende im Schwarzwald fit. Der einzige deutsche WM-Schiedsrichter, Markus Merk aus Otterbach, wird erst später in die Saison einsteigen. Er wurde am Samstagabend als «Schiedsrichter des Jahres» geehrt, fuhr danach aber mit seiner Familie für vier Wochen in den Urlaub und nahm nicht am Lehrgang teil.

«Er will von der WM Abstand gewinnen», erklärte Roth. Dort war Merk nur in drei Vorrundenspielen zum Zuge gekommen und wartete danach vergeblich auf Final-Einsätze. «Das hat schon an seinen Nerven gezehrt», sagte Roth über seinen Vorzeigemann. Der Schiedsrichter- Chef aus Salzgitter kritisierte erneut die Nichtberücksichtigung Fandels für die WM: «Aus der Sicht der UEFA wurden nicht die besten Schiedsrichter nominiert. Aber wir werden darüber noch Gespräche führen.»

Roth betonte auch noch einmal, dass im deutschen Profifußball gepfiffen werde wie in der vergangenen Saison - und nicht wie bei der WM bis zum Achtelfinale. Dabei hatte es durch das von der FIFA erwünschte harte Durchgreifen teilweise eine Kartenflut gegeben. «Meiner Meinung nach ist da zu viel und bei jeder Kleinigkeit sanktioniert worden», sagte Roth. «Das wollen wir in der Bundesliga nicht so handhaben.»

Blutige Nasen und blaue Augen wegen Ellbogenchecks und Schlagens mit der Handkante wollen die Verantwortlichen jedoch nicht mehr sehen. Die Unsitte, bei Zweikämpfen die Arme in Richtung Gegenspieler auszufahren, wollen die Schiedsrichter eindämmen. «Durch konsequente Anweisungen haben wir auch Tackling und Rudelbildung wegbekommen», erklärte Amerell. «Vor fünf Jahren gab's diese Ellbogenarbeit in keiner Weise», wunderte sich Lehrwart Eugen Strigel.

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