Bundesliga-Transfers im Schatten der WM
Düsseldorf (dpa) - 28.06.2006, 18:10 Uhr
Vincent Kompany spielt in der nächsten Saison beim HSV.
Die Weltbühne des Fußballs gastiert direkt vor der Haustür, doch die Bundesliga-Clubs gehen im Schatten der WM auf große Einkaufstour. Obwohl die 18 Erstligisten bereits 88 Neuzugänge für die kommende Saison unter Vertrag genommen haben, verpflichteten sie keinen einzigen WM-Teilnehmer während der Endrunde. «Eine Weltmeisterschaft treibt die Preise kräftig in die Höhe. Es gehört nicht zu unserer Saisonplanung, einen WM-Spieler zu holen», sagt Klaus Allofs stellvertretend für viele Bundesliga-Kollegen. Werder Bremens Manager versucht den Abgang des Leitwolfs Johan Micoud daher nicht mit einem WM-Star zu kompensieren, sondern verpflichtete den relativ unbekannten Brasilianer Diego vom FC Porto. Angesichts der finanziellen Möglichkeiten ausländischer Spitzenclubs prophezeite Allofs in der «Süddeutschen Zeitung», dass die «absoluten Weltstars der Bundesliga weiter fehlen werden». Selbst der FC Bayern München, der am niederländischen Stürmerstar Ruud van Nistelrooy interessiert ist, könne da nicht konkurrieren: «Es ist eben ein Unterschied, ob Herr Abramowitsch vom FC Chelsea die Tasche aufmacht oder ein Uli Hoeneß vom FC Bayern.»
Neben dem Weggang von Nationalmannschafts-Kapitän Michael Ballack, der dem Werben der Londoner nachgab, muss die deutsche Beletage den Verlust von Dimitar Berbatow, Tomas Rosicky und Jan Koller verkraften. Zudem ist es vorstellbar, dass Bremens WM-Toptorjäger Miroslav Klose bei einem Millionen-Angebot nicht mehr zu halten ist. Dieter Hoeneß ist dennoch zuversichtlich, dass die deutschen Clubs den Aderlass ausgleichen können. «Die Bundesliga wird durch die WM attraktiv. Die tollen Stadien und diese Stimmung sind verlockend», sagte der Geschäftsführer von Hertha BSC Berlin. «Wir schauen uns natürlich auch bei den WM-Spielen um.» Aufsteiger VfL Bochum hat seine Personalplanung hingegen bereits vor der Endrunde weitgehend abgeschlossen: «Wir haben unsere Hausaufgaben schon gemacht. Ein Transfer im Rahmen der WM würde wahrscheinlich die finanziellen Möglichkeiten des VfL übersteigen», meinte Vorstandsmitglied Stefan Kuntz. |