Brasilianer feiern in einem Sonderzug der Deutschen Bahn.
Samba auf Schienen, Caipirinha im Bordrestaurant und tänzelnde Zugbegleiter: Der Brasilien-Express rollt. Tausende Landsleute von Ronaldinho und Co sind in WM-Zügen durch Deutschland unterwegs - die «Operation Titelverteidigung» rollt jetzt auch für die Fans der «Selecao».
Rund 1100 Brasilianer reisten in zwei Charterzügen aus Köln zum Meisterschaftsdebüt des Titelverteidigers im Berliner Olympiastadion an - ein feucht- fröhlicher Karneval in Grün-Gelb auf den Gleisen.
Ausnahmezustand im Bahnhof Köln-Deutz «Olè, Olá» hallte es schon zur Mittagsstunde über die Bahnsteige. Trommeln und Trillerpfeifen kündigten den Tross der Brasilien-Fans an, übertönten die Ansagen aus den Lautsprechern. «Wir holen den Cup wieder nach Hause, olé olé olá», gaben sich viele aus voller Kehle zuversichtlich. Sie klatschten mit den Händen, ließen sich bis zum wartenden ICE treiben. Ausgelassen fieberten die Fans der Partie gegen Kroatien am Abend entgegen.
«Wir sind aus ganz Brasilien hier», berichtete der Ingenieur Mauro Viana. Mindestens 7000 Euro hat jeder Fan bezahlt, um als globaler Schlachtenbummler nach Alemanha zu kommen und die Kampagne der Nationalelf zu begleiten. Zu den reisenden Fans gehören auch Firmenmitarbeiter, die von ihrem Arbeitgeber mit der WM-Fahrt belohnt wurden. Nach Berlin stehen noch München und Dortmund auf dem Reiseplan der Vorrunde - doch kaum einer im Brasilienexpress zweifelt daran, dass die Mannschaft von Trainer Carlos Alberto Parreira bis zum Finale am 9. Juli wieder nach Berlin kommen wird.
«Brasilien hat nur einen Gegner - sich selber», sagte Ingenieur Viana, der in Rio de Janeiro für eine deutsche Firma arbeitet. Wie die meisten im Zug, sieht Viana für die anderen WM-Teilnehmer kaum Chancen.
Als sich der Zug um 13.50 Uhr in Bewegung setzte, hatten sich bereits die ersten Fans an das Bordrestaurant herangetanzt. Bei deutschem Bier sorgten sie im Rheinland und der Mark Brandenburg mit heißen Samba-Rhythmen für den heimatlichen Klang. «Don`t cry for me, Argentina», hieß es auf einer Brasilienfahne über den fußballerischen Erzfeind und Nachbarn. Wuppertal, Hamm, Hannover - mit der Fahrt in Richtung Osten wurde es im Zug immer wärmer, die Reihen füllten sich stetig mit leeren Bierflaschen.
«Das ist meine WM-Nummer elf» sagte Ceme Bittar stolz. Der Zahnarzt aus der Nähe der Millionenmetropole Sao Paolo war erstmals 1950 bei einer WM dabei, jener Weltmeisterschaft, bei der Brasilien in Maracana-Finale gegen Uruguay eine bittere Niederlage erlitt. Der 81-Jährige ist mit seinem Enkel in Deutschland unterwegs, «ich will auch 2010 in Südafrika mit dabei sein».
Zu den Fans gehört auch die Familie Murad aus Sao Luis de Maranhao. Rund 15 Familienmitglieder sind zur WM gemeinsam unterwegs, haben tausende Kilometer vom Amazonas-Ufer über Sao Paulo und Paris bis nach Köln zurückgelegt. «Ich finde die Menschen hier besonders offen und freundschaftlich», sagte die 18-jährige Maria Fernania Murad und sie blickte aus dem Zugfenster, hinter dem sich die Landschaft grün und sommerlich entlang der Bahnlinie ausbreitet.