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Beten und Hoffen: Noch hat Polen nicht verloren

Warschau (dpa) - 13.06.2006, 12:53 Uhr

Ein polnischer Fan schaut nach der Niederlage gegen Ecuador traurig aufs Spielfeld.
Ein polnischer Fan schaut nach der Niederlage gegen Ecuador traurig aufs Spielfeld.

Gleich dreifach flattert die weiß-rote Fan-Fahne vom Balkon in der Warschauer Marszalkowska-Straße: «Polska, Polska, Polska». Das WM-Fieber in Polen ist unübersehbar. Doch nicht nur Vorfreude, vor allem Sorge hat die polnischen Fans nach dem schlechten Auftakt ergriffen.

Fast trotzig streicht der 21-jährige Janek Mirowski den Fan-Schal auf dem Rücksitz seines deutschen Gebrauchtwagens glatt. «Es wird nicht leicht werden gegen die Deutschen, und wir haben ja auch noch nie gegen die gewonnen», seufzt der Student. «Aber wenigstens auf ein Unentschieden will ich hoffen.»

Für Hoffen allein ist es nach Meinung der Boulevardzeitung «Super Express» zu spät. Nur ein Wunder könne angesichts der bisherigen Leistungen der «Bialo-Czerwoni» noch helfen. Im niederschlesischen Breslau (Wroclaw) bestellte die Redaktion des Blattes daher zwei Messen für die polnische Nationalelf. Doch ob das hilft, bezweifelt selbst Pfarrer Krzysztof Smolen von der Breslauer Elisabeth-Kirche: «Vor vier Jahren beteten wir hier vor dem Spiel der Polen in Südkorea. Wir wissen ja, wie das endete», erinnerte er an die klägliche Heimkehr nach drei WM-Spielen. «Aber wir können es ja wenigstens probieren.»

Die Reue der Fußballer, denen der Auftritt gegen Ecuador peinlich ist und die sich bei den Fans entschuldigen wollen, reicht den polnischen Medien nicht aus. «Spielt lieber, statt euch zu entschuldigen!» forderte die Tageszeitung «Dziennik» und stimmte damit in die Forderung der Kollegen von der «Gazeta Wyborcza» ein: «Steht auf und kämpft!»

Eine Niederlage gegen WM-Gastgeber Deutschland würden die Fans ihrem Team verzeihen können, nicht aber eine weitere sportliche Blamage. Die Wut der Fußballfreunde richtet sich ohnehin vor allem gegen Trainer Pawel Janas. Die Polen, in ihrer Geschichte an leidvolle Niederlagen und verzweifelte Kämpfe gewöhnt, klammern sich an die Mut machenden Worte ihrer Nationalhymne: «Noch ist Polen nicht verloren.»

Vor einem Dilemma ganz besonderer Art steht Zofia Budzinska. Die 75-jährige Großmutter ist eine begeisterte Anhängerin des polnischen Teams. Sie wird allerdings auch ihrem Enkel die Daumen drücken und insgeheim hoffen, dass er die WM-Träume der Polen nicht vorzeitig zerstört. Denn Lukas Podolski stürmt bekanntlich für das deutsche Team.


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