HSV-Angst vor Einbruch - Bayer glaubt an Cup-Platz
Hamburg (dpa) - 23.04.2006, 10:15 Uhr
HSV-Keeper Sascha Kirschstein lässt nach dem Spiel den Kopf hängen.
Beim Hamburger SV geht die Angst um. «Auf keinen Fall darf es so kommen wie in der vergangenen Saison», bat Stürmer Benjamin Lauth nach dem 0:2 (0:1) gegen Bayer Leverkusen. Das Schreckensszenario: In den letzten vier Bundesliga-Spielen des Vorjahres holte der HSV nur einen Punkt und stürzte aus den sicher geglaubten UEFA-Cup-Rängen in die harte Qualifikationsmühle des UI-Cups. Nun hat das Finish der letzten vier Spieltage erneut mit einer Niederlage begonnen. Diesmal geht es jedoch um höhere Beträge: Die Champions League. Statt heimlichen Meisterschaftsgelüsten zu frönen, konzentrieren sich die Hamburger nun auf einen schonungslosen Zweikampf mit Werder Bremen um Platz zwei. «In der Meisterschaft ist der Zug abgefahren», gestand Verteidiger Bastian Reinhardt. «Ist nicht Frage Meisterschaft, ist Frage Champions-League-Qualifikation», erklärte der glücklose HSV-Stürmer Ailton die neue Gemengelage und verriet damit, dass auch er seine Träumereien vom Titel ad acta gelegt hat. «War heute Tag für Torwart, nicht für Stürmer», grollte der Brasilianer, der drei klarste Chancen vergab. Auch seine Nebenleute sündigten. «33:11 Torschüsse - das ist ja unfassbar», stöhnte HSV-Chef Bernd Hoffmann.
Warnrufe, es könnte sich ein Dejavu des vergangenen Saisonfinales einstellen, will HSV-Trainer Thomas Doll nicht hören. «Die Vergangenheit interessiert uns nicht. Wir sind jetzt so gefestigt, da wird uns so ein Spiel nicht umhauen. Unser Weg geht weiter.» Bei dem selbstbewussten Offensiv-Fußball wie gegen Leverkusen, den die Hamburger den 57 000 Zuschauern in der ausverkauften AOL-Arena trotz des Fehlens von fünf Leistungsträgern boten, mag man auch kaum glauben, dass sie von der Vergangenheit eingeholt werden könnten. Tiefste Genugtuung hat dagegen das Bayer-Team ergriffen. Mit dem glücklichen Erfolg durch Tore von Simon Rolfes (8.) und Paul Freier (77.) knöpften die Leverkusener den Hamburgern den Titel «beste Rückrundenmannschaft» ab. Neun Siege in 14 Spielen und 28 Punkte weist die Bilanz seit Januar aus. «Wir haben einfach einen Lauf im Moment», meinte Sportchef Rudi Völler stolz. Die fünftplatzierte Werkself sieht nun beste Chancen, auch am Ende der Saison auf einem internationalen Startplatz zu stehen. «Wir haben die Klasse, den UEFA-Cup zu schaffen», versicherte Torhüter Hans-Jörg Butt, dessen großartige Paraden Trainer Michael Skibbe zum Extralob bewogen: «Toll gespielt. Er hat uns im Rennen gehalten.» Das größte Interesse in Leverkusen und Umgebung zieht im Moment aber nicht Butt, nicht Torjäger Dimitar Berbatow und auch nicht der erneut erfolgreiche Rolfes auf sich. Im Fokus steht Routinier Jens Nowotny. Zum einen hat ihn Bundestrainer Jürgen Klinsmann zum Fitnesstest der Nationalmannschaft eingeladen, zum anderen steht die Arbeitsplatzwahl für die nächste Saison aus. «Er wird sich am Wochenende mit seiner Familie und seinem Berater zusammensetzen. Ich hoffe und wünsche, dass er bei uns bleibt», sagte Völler. Einer möglichen Rückkehr in die Nationalmannschaft sieht Nowotny entspannt entgegen. «Ich habe keine Probleme mit Fitness und Schnelligkeit. Mal sehen, ob es reicht. Ich bin jedenfalls bereit.»
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