Der Ex-Manager und WM-Botschafter Nordrhein-Westfalens wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe. «Herr Calmund hat stets im Interesse von Bayer 04 gehandelt. Er hat bei den Zahlungen an Herrn Graul weder einen persönlichen noch irgendeinen finanziellen Vorteil erlangt», hieß es in einer Erklärung von Calmund-Rechtsanwalt Egon Schlütter am Sonntag. Andernfalls hätte Bayer ihm in seinem Auflösungsvertrag wohl kaum eine Abfindung und Direktorenpension zugesprochen, wurde betont. «Nach 27 Jahren erfolgreicher Tätigkeit für den Verein, wird es Herr Calmund nicht zulassen, dass seine Leistungen durch falsche Behauptungen und falsche Verknüpfungen von Tatsachen in Frage gestellt werden.» Die Streitereien drohen derweil zu einer Schlammschlacht zu werden, da Calmund in anderer Sache gegen seinen Ex-Club weiter vor Gericht ziehen will. Nach dem in erster Instanz die von Bayer reklamierte Anrechnung der Einkünfte aus Nebentätigkeiten auf seine Pension als rechtmäßig erachtet wurde, kündigte er nun Berufung an. Widerspruch legt Calmund zudem gegen die Behauptung von Holzhäuser ein, nicht über die damaligen Vorgänge informiert gewesen zu sein. «Natürlich kannte Herr Holzhäuser den Vorgang», sagte Calmund dem Kölner «Express». «Wenn Herr Holzhäuser nun behauptet, dass er davon nichts wusste, sagt er die Unwahrheit.» Dieser wiederum bestritt jegliche Mitwisserschaft. «Da liegt er falsch. Erst Anfang 2004 bei der Erstellung der Jahresrechnung für 2003 die Sache auf den Tisch bekommen», entgegnete Holzhäuser. Danach ließ er die 580 000 Euro als nicht abzugsfähige Betriebsausgaben ausbuchen und 92 800 Euro Mehrwertsteuer an Graul überweisen. Gleichzeitig informierte er den Gesellschafterausschuss des Fußball- Bundesligisten über diese rätselhafte Ausgabe. «Bayer 04 hat den Vorgang so behandelt wie es kaufmännisch richtig ist. Sauberer und seriöser kann man es nicht machen», so Holzhäuser. Der heutige Sprecher der Geschäftsführung kann im übrigen kein strafrelevantes Fehlverhalten seines Ex-Partners in der Vereinsführung erkennen. «Es gibt kein Hinweis darauf, dass er sich persönlich bereichert hat», sagte Holzhäuser. Die Bielefelder Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei ermitteln in diesem Fall gegen mehrere Personen wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue. «Es wird gegen Graul ermittelt, nicht gegen Calmund», betonte Holzhäuser. Der Spielervermittler war wegen möglicher Steuerhinterziehung ins Visier der Fahnder geraten, die dabei auf den Bayer-Fall stießen. Auf eine Klage gegen Graul auf Rückzahlung der Kaufoptions-Prämie verzichtete Bayer nach juristischer Prüfung. «Die Erfolgsaussichten waren nicht groß. Wahrscheinlich ist das Geld nach Kroatien oder Serbien geflossen», sagte Holzhäuser. Zugleich verwahrte sich der Vizepräsident des Liga-Verbandes gegen den durch diese Affäre mit erweckten Eindruck, dass dunkle Machenschaften im Fußball-Geschäft Gang und Gäbe sind: «95 Prozent aller Transaktionen laufen sauber.»
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