Willkommener Bundesliga-Alltag für Nationalspieler
Düsseldorf (dpa) - 03.03.2006, 20:24 Uhr
Michael Ballack beim Training mit der Nationalmannschaft.
Selten haben Nationalspieler den Bundesliga-Alltag so herbeigesehnt. Drei Tage nach der viel diskutierten 1:4-Schlappe in Italien kommt der Rückzug in die Normalität gerade recht. Die heftige Kritik im Anschluss an das WM-Testspiel war für viele Profis aus der Klinsmann-Elf ebenso demütigend wie der desaströse Auftritt in Florenz. Der Kampf um Punkte soll helfen, das arg beschädigte Selbstwertgefühl wiederherzustellen und die peinliche Lehrstunde möglichst schnell vergessen zu machen. «Die Spieler müssen ab sofort beißen, im Training, in der Bundesliga, international. Jetzt ist Vollgas gefordert», sagte Bayern-Torhüter Oliver Kahn. Mehr denn je sind psychologische Fähigkeiten gefragt - nicht nur bei Klinsmann. Auch die Vereinstrainer wollen rund drei Monate vor der WM ihren Beitrag leisten. Stellvertretend für viele Bundesliga- Kollegen regte Peter Neururer eine intensivere Zusammenarbeit auf allen Ebenen an. «Wir sollten die Kräfte bündeln», sagte der Coach von Hannover 96 vor der Partie seiner Mannschaft gegen Schalke 04. Seinem gegen Italien überforderten Manndecker Per Mertesacker sprach er demonstrativ Mut zu: «Ich bin überzeugt, dass wir ihn wieder aufbauen können.»
Am 24. Bundesliga-Spieltag gilt den WM-Kandidaten besondere Aufmerksamkeit. Mit Argusaugen wird beobachtet, ob sie nach dem Offenbarungseid gegen die Squadra Azzurra eine positive Reaktion zeigen. Vor allem Michael Ballack, der beim 1:4 ebenfalls weit unter seinen Möglichkeiten blieb, steht im Mittelpunkt. Vor dem Gipfel zwischen Spitzenreiter Bayern München und dem Tabellendritten Hamburger SV wird weniger über die sportliche Brisanz der Partie als vielmehr über den angeblich bevorstehenden Wechsel des Münchner Regisseurs zum FC Chelsea geredet. Genervt vom anhaltenden Ballyhoo um Ballack forderte Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, die Konzentration auf das Wesentliche: «Jetzt sollten wir die Gelegenheit nutzen, um mit einem weiteren Heimsieg einen ernsthaften Mitkonkurrenten weiter auf Distanz zu halten.» Gelingt dem Rekordmeister im zwölften Heimspiel der zwölfte Sieg, wäre zumindest die direkte Qualifikation für die Champions League bei dann 14 Punkten Vorsprung auf den derzeitigen Tabellendritten HSV so gut wie sicher. |