Jens Nowotnys Leidenszeit ist vorbei
Marbella (dpa) - 09.01.2006, 15:03 Uhr
Jens Nowotny geht im Oktober zum Training in Leverkusen.
Für Jens Nowotny ist eine quälend lange Zeit von 323 Tagen Zwangspause in 45 Minuten zu Ende gegangen. Nach vier Kreuzbandrissen und juristisch bedingtem Stillstand gehört der Fußball-Profi endlich wieder zum festen personellen Inventar von Bayer Leverkusen. «Ich bin zufrieden», bilanzierte der 31-Jährige nach seinem Kurzauftritt. «Er bewegte sich so, als wäre er nie weg gewesen», lobte Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser, der im Trainingslager in Marbella einer von rund 250 Augenzeugen bei Nowotnys Comeback war. «Er hat es gut gemacht. Ich war überrascht. Von der Ausstrahlung her spielt er für unsere junge Mannschaft eine große Rolle», hielt Holzhäuser nach dem 4:2-Testspielsieg gegen den Zweitligisten Wacker Burghausen fest. Holzhäuser: «Wenn Jens fit ist und fit bleibt, kann er immer noch einen klasse Innenverteidiger spielen.»
Bayer-Sportchef Rudi Völler ging noch weiter. Nowotny sei nach wie vor ein Führungsspieler in Leverkusen, «trotz der für ihn schwierigen Zeit. Es ist für uns alle wie ein Neuanfang. Wir freuen uns, dass er sich wieder auf den Fußball konzentrieren kann.» Erst am 23. Dezember, quasi als Weihnachtsgeschenk, hatte Bayer die Suspendierung Nowotnys aufgehoben. Weil der Berufsfußballer gegen seinen Arbeitgeber auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall nach sechs Wochen geklagt und zudem ein Verfahren gegen Bayer 04 wegen der Versteuerung seines Handgelds bei der Vertragsverlängerung 2002 angestrengt hatte, war er am 4. Oktober 2005 vereinsintern gesperrt worden. «Es spricht für ihn, dass er jetzt wieder dabei ist. Er ist ein Vollprofi und hat wie ein Tier trainiert», lobte Völler die Willenskraft Nowotnys. Dem «kicker» hatte der Badener anvertraut, «dass ich mich auf den Tag X vorbereitet habe». Er will nur noch eines: gesund bleiben, spielen, «und in allererster Linie dem Verein helfen». Und Bayer braucht Alternativen: Die Verletzungs-Anfälligkeit der Brasilianer Roque Junior und Juan und ein Mangel an erfahrenen Defensivkräften machten den viermaligen deutschen Vizemeister im Abwehrverbund so löchrig, dass Platz zwölf nach der Hinrunde die ernüchternde Bilanz unter dem Bayer-Kreuz ist. Nowotny könnte schon beim Rückrundenauftakt am 28. Januar gegen Eintracht Frankfurt wieder als stabilisierender Faktor wirken und nach bislang 320 Erstliga-Einsätzen für den Karlsruher SC und Bayer (seit 1996) auch im Ligabetrieb sein Comeback feiern.
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