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«Hire and Fire»: DFL-Entlassungswelle kritisiert

Düsseldorf (dpa) - 20.12.2005, 15:10 Uhr

Wolfsburgs entlassener Tainer Holger Fach.
Wolfsburgs entlassener Tainer Holger Fach.

Schöne Bescherung! Nach der Rekord-Entlassungswelle herrscht in der Fußball-Bundesliga alles andere als vorweihnachtliche Besinnlichkeit. Insgesamt acht Trainer und zwei Manager wurden in der Hinrunde gefeuert.

Zudem kündigte beim 1. FC Kaiserslautern René C. Jäggi seinen Rückzug als Vorstandschef an. «Der Druck ist gewiss gestiegen. Nachdenklich stimmt, dass nur der kurzfristige Erfolg zählt. Dies verheißt für den Fußball keine gute Zukunft», sagte der Vizepräsident des Ligaverbandes, Wolfgang Holzhäuser.

Kritik an der wachsenden «Hire and Fire»-Politik der Proficlubs übte der Bund Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL). «Die Mehrzahl der Trainer-Entlassungen sind Alibi-Handlungen und Aktionismus, um den Fans zu signalisieren, alles getan zu haben», meinte BDFL-Präsident Horst Zingraf. «Kurzfristig bringt es oft Erfolg, auf längere Sicht aber relativ wenig.» Als Ursache für die wachsende Bereitschaft, bei Erfolglosigkeit den Chefcoach in die Wüste zu schicken, nennt er den durch die Kirch-Krise gestiegenen Finanzdruck und ein zum Teil unrealistisches Anspruchsdenken der Club-Oberen. «Fast jeder in der Bundesliga steckt sich hohe Ziele: Champions League, UEFA-Pokal oder UI-Cup. Doch niemand denkt an den Abstieg», stellt Zingraf fest.

In diesem Dilemma steckt auch Holzhäuser, der Geschäftsführer von Bayer Leverkusen ist. Weder der entlassene Ex-Coach Klaus Augenthaler noch sein Nachfolger Michael Skibbe konnten die Mannschaft auf Kurs internationales Geschäft trimmen. «Die Spieler produzieren die Punkte. Und deshalb gibt es eine gewisse Ohnmacht», sagte Holzhäuser. «Es gibt einen Unterschied zu Unternehmen: Da kann man Maschinen auf Stufe vier stellen, wir haben es aber nur mit Menschen zu tun.»

Mühsam müssen nun die Vorstandsbosse von drei Bundesligisten kitten, was ihnen ihre Profis oder - wie auf Schalke - die Clubchefs selbst eingebrockt haben. Beim VfL Wolfsburg und dem 1. FC Köln, die ihre Trainer und Manager jeweils im Doppelpack ersetzen müssen, hat man dabei Titanenarbeit zu leisten. Die Niedersachsen wollen zunächst einen Nachfolger für Coach Holger Fach verpflichten. «Das ist jetzt vorrangig», sagte ein Vereinssprecher. Die Suche soll möglichst bis zum Trainingsauftakt am 3. Januar 2006 erfolgreich sein. Als mögliche Kandidaten gelten die vorzeitig in der Hinrunde entlassenen Ralf Rangnick (Schalke 04) oder Ewald Lienen (Hannover 96). Bei der Sondierung eines Ersatzes für Ex-Manager Thomas Strunz will man sich in Wolfsburg wohl bis zum Frühjahr Zeit lassen.


Schnell Nägel mit Köpfen will der 1. FC Köln machen. Spekulationen über die Verpflichtung von Michael Meier als neuen Manager wollte der Tabellen-16. am Dienstag laut Clubsprecher Christopher Lymberopoulos «weder bestätigen noch dementieren». Der 56 Jahre alte Meier war bis zum 30. Juni noch Geschäftsführer bei Borussia Dortmund. Zusammen mit dem damaligen Präsidenten Gerd Niebaum war Meier für die Existenz bedrohende Finanzkrise des BVB verantwortlich gemacht worden. Meier war schon von 1981 bis 1987 geschäftsführendes Vorstandsmitglied beim 1. FC Köln. Favorit als Nachfolger Uwe Rapolders auf dem Trainerstuhl ist offenbar Klaus Toppmöller. «Wir wollen in dieser Woche auf jeden Fall den neuen Manager gefunden haben», betonte Lymberopoulos.

Der bisherige Manager Andreas Rettig wünscht nach seinem freiwilligen Rückzug den Kölnern jedenfalls alles Gute dabei. «Ich bin überzeugt, dass es Vorstands, Geschäftsführung und Mannschaft gelingen wird, wieder in die Erfolgsspur zurückzukehren», schrieb er auf der Club-Homepage und fügte an: «Ich wünsche ein paar schöne und erholsame Tage und vor allem Gesundheit!»

Erholung ist bei Schalke 04 zunächst wohl nicht angesagt. Beim ambitionierten Tabellen-Vierten hüllt man sich nach der Suspendierung von Ralf Rangnick nach dessen «Ehrenrunde» weiter in Schweigen. «Kein Kommentar», verlautet es weiter. Beim benachbarten MSV Duisburg kann man dagegen einem ruhigen Fest entgegen sehen: Der neue Trainer (für Norbert Meier) und Sportdirektor in Personalunion heißt Jürgen Kohler - und ist der neue Hoffnungsträger des Clubs.

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