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10 Jahre Bosman-Urteil: Alle Macht den Spielern

Düsseldorf (dpa) - 14.12.2005, 10:40 Uhr

Jean-Marc Bosman bei einer Gerichtsverhandlung am 15. Dezember 1995.
Jean-Marc Bosman bei einer Gerichtsverhandlung am 15. Dezember 1995.

Der Sieg des belgischen Fußball-Profis Jean- Marc Bosman am 15. Dezember 1995 vor dem Europäischen Gerichtshof hat das Transfersystem revolutioniert und der Bundesliga die gravierendste sportpolitische Niederlage bereitet.

«Es ist die größte Katastrophe des Club-Fußballs», stellte Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor dem zehnten Jahrestag des Bosman-Urteils in einer dpa-Umfrage fest. «Die Zeche haben die Vereine bezahlt. Das Urteil hat nur den Spielern geholfen. Ihre Gehälter sind gestiegen - und die Ablösesummen sind weggefallen.»

Für Schalke-Manager Rudi Assauer hat sich die Fußball-Welt in ökonomischer Hinsicht entscheidend verändert. «Der Europäische Gerichtshof hat uns mit seinem Urteil, ich will nicht sagen dramatische, aber doch drastische Einbußen beschert», resümierte er. «Vor allem, was Spielerverpflichtungen, Ablösesummen und Ausbildungsentschädigungen angeht, wird es enorm kompliziert.»

Besonders einschneidend sind nach Ansicht von Ex-Nationalspieler Wolfgang Overath die Folgen für die nicht so solventen Clubs. «Das Bosman-Urteil ist fast der Tod der kleinen und mittleren Vereine», sagte der Präsident des Bundesliga-Aufsteigers 1. FC Köln. Denn gerade diese Vereine hätten immer davon gelebt, junge Spieler auszubilden und sie mit Transfer-Gewinn zu verkaufen. «Dieses Geld ist jetzt weg.» Es gibt zwar eine Regelung für eine Ausbildungsentschädigung durch die Europäische Fußball-Union (UEFA), die aber laut Bayer 04 Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser erhebliche Lücken hat: «Wie groß die sind, zeigt, dass bei der UEFA 2500 Verfahren zu diesem Thema anhängig sind.»

Der Wegfall der Ablösesummen und der durch die Kirch-Krise verursachte Rückgang der Fernseheinnahmen haben enorme Löcher in die Kassen der Profi-Vereine gerissen. Für René C. Jäggi, scheidender Vorstandsvorsitzender und Sanierer des 1. FC Kaiserslautern, sind die nackten Zahlen Beleg für den Negativtrend: «Siehe Gewinn- und Verlustrechnung sowie Bilanzen.» Die einzigen, die sich freuten, seien die Spieler und deren Berater. «Sie und die wenigen finanzstarken Vereine sind die Profiteure», sagte Jäggi. «Die Schere zwischen Arm und Reich ist weiter auseinander gegangen. Einige können sich teure Spieler leisten, andere nicht», betonte Assauer.


Richtig gut geht es dagegen den Profis. «Die Spieler sind mächtiger als früher», meinte VfB Stuttgarts Sportdirektor Herbert Briem. Dem stimmte Overath vorbehaltlos zu: «Die Vorteile liegen nur auf Seite der Spieler.» Vor allem die Besten unter ihnen verdienen prächtiger denn je. «Da werden bei den Gehältern und Handgeldern Summen aufgerufen, da wird einem schwindelig», sagte Assauer. In welche Dimensionen dies führen kann, zeigt der Fall der vor der Insolvenz geretteten Borussia aus Dortmund: Der BVB zahlte für seinen Ex-Stürmer Marcio Amoroso nicht nur das Rekordgeld von 50 Millionen Mark. Der Brasilianer bekam zudem 4,8 Millionen Euro Gehalt pro Jahr - plus Auto, Miete für ein Haus und acht Freiflüge in die Heimat.

Mit langfristigen Verträgen versuchen die Clubs seit dem Bosman-Urteil, ihre Spieler an sich zu binden, um bei einer vorzeitigen Trennung noch eine Ablöse kassieren zu können. «Für die Vereine ist dadurch das Risiko größer geworden», weiß Holzhäuser. Nachdem Bayer 04 2001/2002 bis ins Champions-League-Finale stürmte, schossen die Spielergehälter in die Höhe, die großen sportlichen Erfolge und kalkulierte Einnahmen blieben aber aus. Dafür füllten sich die Taschen der Spielerberater. «Sie bekommen Beträge, die jenseits aller Vorstellungen sind, die es vor zehn Jahren gab», erklärte Holzhäuser.

In der Bundesliga stimmen jedoch nicht alle beim Namen Bosman ein Lamento an. «Die Aufregung nach dem Urteil hat sich relativ schnell gelegt», sagte Klaus Fuchs, Geschäftsführer des VfL Wolfsburg, «inzwischen haben längst alle gelernt, damit umzugehen und sich zu arrangieren.» Es sei nicht leichter oder schwerer geworden, gute oder Top-Leute zu holen. Auch Bernd Hoffmann, Präsident des Hamburger SV, will in den Chor der Kritiker nicht bedingungslos einstimmen: «Es ist nicht schwerer geworden. Die Rahmenbedingungen haben sich zwar verändert, aber wir haben uns darauf eingestellt.» Ilja Kaenzig, der Manager von Hannover 96, sieht sogar einen Vorteil: «Man kann Spieler sicher holen, wenn die Verträge auslaufen.»

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