Hoyzer-Urteil: Staatsanwaltschaft geht in Revision
Berlin (dpa) - 18.11.2005, 17:11 Uhr
Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer (l) verlässt nach dem Urteil das Landgericht.
Der Prozess im Fußball-Wettskandal um Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer geht für alle fünf Angeklagten in eine zweite Runde vor dem Bundesgerichtshof. Die Berliner Staatsanwaltschaft legte Revision gegen das komplette Urteil des Berliner Landgerichtes ein. Damit sind die Urteile gegen Hoyzer, seinen Ex-Kollegen Dominik Marks und die Brüder Sapina vorläufig nicht rechtskräftig. Die Anwälte von Hoyzer und Ante Sapina hatten direkt nach dem Urteil am 17. November Revision angekündigt. Hoyzer war überraschend zu zwei Jahren und fünf Monaten Gefängnis verurteilt worden, obwohl die Staatsanwaltschaft nur zwei Jahre auf Bewährung gefordert hatte. Drahtzieher Ante Sapina hatte zwei Jahre und elf Monate Haft erhalten.
Die Staatsanwaltschaft will insbesondere das Strafmaß für Marks überprüfen lassen. Er hatte anderthalb Jahre Haft auf Bewährung bekommen, die Staatsanwaltschaft hatte dagegen zwei Jahre ohne Bewährung gefordert und damit mehr als für den geständigen Hoyzer. Auch die Anwältin von Marks, Astrid Koch, wird voraussichtlich Revision einlegen. Milan Sapina hatte ein Jahr und vier Monate Haft erhalten, sein Bruder Filip ein Jahr. Beide Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt. Die 12. Strafkammer war anders als die Staatsanwaltschaft nicht von bandenmäßigem, sondern nur von gewerbsmäßigem Betrug ausgegangen, bei dem Ante Sapina stets die Fäden in der Hand gehalten habe. Die Anklage hatte Marks dagegen als Teil einer Bande gesehen. Das unerwartet hohe Strafmaß für Hoyzer war von der Kammer mit seiner groben Verletzung der Neutralitätspflicht, seinem aktiven Tatbeitrag und der Schwere der begangenen Manipulationen begründet worden. Inzwischen laufen auch in Griechenland staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen des Vorwurfes des Wettbetruges und der Geldwäsche. Sie richten sich griechischen Medien zufolge nicht nur gegen die Sapina-Brüder. Hoyzer hatte vor Gericht ausgesagt, Ante Sapina habe einen griechischen Kontaktnamen mit dem Decknamen «Kostas» gehabt. Der angeblich in Saloniki ansässige Kontaktmann soll inzwischen namentlich bekannt sein. Über seine Wetten im Ausland hatte Ante Sapina keine Angaben gemacht.
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