Mit Blick auf die Verletzung des Schweizer Spielers Grichting und dessen Behandlung im Krankenhaus sagte der Verbandsvize: «Auch einer unserer Ordnungskräfte ist krankenhausreif. Gewiss werden ihn nicht die eigenen Spieler geschlagen haben.» Der türkische Fußballverband werde zusammenkommen und seinerseits die «nötigen Eingaben» machen. «Wir werden unsere Verteidigung vorbereiten.» Zu den möglichen Sanktionen meinte Mosturoglu, er rechne schlimmstenfalls mit einer Stadionsperre und einer deftigen Geldstrafe. Unmittelbar nach ihrem letztlich wertlosen 4:2-Sieg über die Eidgenossen waren die frustrierten Türken über die gegnerischen Spieler her gefallen und hatten sie mit Füßen und Fäusten traktiert. «Jeder musste um sein eigenes Leben rennen. Ordner und türkische Spieler sind auf uns los gegangen», schilderte der Stuttgarter Bundesliga-Profi Marco Streller, der seiner wankenden Mannschaft mit dem 2:3 sechs Minuten vor Schluss sportlich die größten Sorgen genommen hatte, die schlimmen Jagdszenen. Am ärgsten erwischte es Ersatzspieler Stephane Grichting, der nach einem Tritt in den Unterleib ins Krankenhaus musste. Özalan Alpay vom 1. FC Köln trat Augenzeugenberichten zu Folge den Frankfurter Benjamin Huggel nieder. «Bereits vor dem Spiel war ersichtlich, auf welche Art die Türken noch zur WM gelangen wollten. Die Fans vor dem Stadion begegneten allen, die aus der Schweiz kamen, mit Verachtung», beschrieb die Berner Zeitung «Der Bund» die aufgeheizte Stimmung, die sich nach Spielende in Brutalität entlud. Trainer Jakob «Köbi» Kuhn konnte sich angesichts der Prügelszenen gar nicht richtig über den Erfolg freuen. «Es darf nicht sein, dass sich die Spieler wie Diebe vom Feld stehlen müssen. Das Fairplay wurde in Istanbul mit Füßen getreten», erklärte Blatter. «Es ist schlimm, wenn man von der Bank aufsteht und Angst haben muss, dass man von Gegenständen getroffen wird oder Schläge kassiert», sagte Kuhn sichtlich gezeichnet, während sein türkischer Kollege Fatih Terim wutschnaubend den Schiedsrichtern die Schuld für das Scheitern des WM-Dritten von 2002 gab: «Sowohl Michel in Bern als auch De Bleeckere hier in Istanbul waren Schweizer.» Türkische Medien machten derweil die Gäste für die Krawalle verantwortlich. Sie hätten die türkischen Spieler provoziert. Ausgerechnet «Sorgenkind» Tomas Rosicky befreite Tschechien im Duell mit Norwegen von allen Nöten und machte mit dem 1:0-Siegtor die erste WM-Qualifikation seit der Eigenständigkeit des Landes perfekt. «Wir wussten nicht, ob er spielen kann, dann schießt er uns nach Deutschland. Der Junge ist ein Wunder», schwärmte Trainer Karel Brückner. Nur noch eine Pflichtübung war für Spanien nach dem 5:1-Hinspielsieg gegen die Slowakei die Reise nach Bratislava. Mit dem 2457. und letzten Tor der am 6. September 2003 begonnenen WM- Qualifikation verhinderte der eingewechselte David Villa die erste Niederlage der Iberer im 18. Spiel unter Trainer Luis Aragones. Das magere 1:1 bei Daueregen tat der WM-Euphorie der stolzen Spanier keinen Abbruch. «Nun wollen wir auch den Titel holen», kündigte Stürmerstar Raul vollmundig an. Um einiges bescheidener sind die WM-Ziele in Trinidad und Tobago, wo der Tag nach der ersten WM-Qualifikation des Karibik-Staates kurzerhand zum Feiertag erklärt wurde. Während Tausende von Fans auf den Straßen außer sich vor Freude waren, unterbrach Premierminister Patrick Manning eine Parlaments-Debatte und kündigte für die Rückkehr der 1:0 in Bahrain siegreichen «Soca Warriors» einen rauschenden Empfang an. Mit nur 1,3 Millionen Einwohnern ist der Inselstaat das kleinste Land, das sich für die WM-Endrunde qualifizieren konnte.
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