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Ballack taucht ab - Magath: Trennung nicht perfekt

München (dpa) - 15.11.2005, 19:09 Uhr

Michael Ballack verlässt das Trainingsgelände des FC Bayern München.
Michael Ballack verlässt das Trainingsgelände des FC Bayern München.

Nach dem überraschenden Machtwort des FC Bayern München im Millionen-Poker mit Michael Ballack ist der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft erst einmal auf Tauchstation gegangen.

Der 29 Jahre alte Mittelfeldstar mochte den spektakulären Rückzug des mit über 30 Millionen Euro dotierten Vierjahresvertrages durch den deutschen Rekordmeister nicht kommentieren. Die Bayern haben derweil die Fahndung nach einem Nachfolger aufgenommen.

Ballack verließ das Trainingsgelände des FC Bayern nach einer intensiven Behandlung seiner Oberschenkel-Zerrung mit einem undurchsichtigen Lächeln. Während sich der 29-Jährige erst im Laufe der Woche öffentlich zu der veränderten Situation bei der Planung seiner Zukunft nach der Weltmeisterschaft 2006 äußern möchte, verbreitete Trainer Felix Magath nach einem Vier-Augen-Gespräch mit Ballack Gelassenheit und Zuversicht. «Es ist nicht gesagt, dass es zu einer Trennung kommt. Es ist jederzeit so, dass die Parteien wieder zusammen kommen können und neue Gespräche führen.»

Die Ausgangsposition hat sich freilich stark verändert, nachdem der Bayern-Vorstand Ballacks Hinhalte-Taktik durchkreuzt und ihm im Vertrags-Poker vorerst den «Schwarzen Peter» zugeschoben hat. Auf der Jahreshauptversammlung, bei der sich die Vereinsführung und die 1349 anwesenden Mitglieder an den traumhaften Wirtschaftsdaten und dem sportlichen Erfolg berauschten, hatte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge für den Paukenschlag gesorgt.

Der von seinem Berater Michael Becker begleitete Ballack sollte sich zuvor bei einem Treffen mit Rummenigge und Manager Uli Hoeneß erklären, ob er seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag verlängert oder nicht. Die verabredete klare Antwort blieb jedoch aus. «Er hat momentan noch keine Entscheidung getroffen», verkündete Rummenigge den Mitgliedern - und die reagierten mit Pfiffen. Ballack wollte offenbar eine erneute Fristverlängerung bis Januar erzielen, doch da spielten Rummenigge und Hoeneß nicht mehr mit. «Wir ziehen unser Angebot, das ein sehr gutes und gesichertes war, zurück», erklärte der Bayern-Chef - und dieses Mal gab es lang anhaltenden Beifall.


«Für mich ist das letzte Wort nicht gesprochen. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Michael weiter beim FC Bayern spielt - aber eines ist auch klar, die Gespräche werden dann von uns bestimmt und nicht mehr von ihm», sagte Hoeneß dem Radiosender Antenne Bayern. Von den kritischen Reaktionen vieler Mitglieder zeigte sich Hoeneß überrascht: «Da haben die Zuschauer offensichtlich ein feines Gespür. Die sind enttäuscht, dass er sich nicht klar zu Bayern bekennt. Die wissen ja auch, dass das Angebot des FC Bayern ihn nicht zum Sozialfall macht.»

Auch Magath zeigte als Augen- und Ohrenzeuge Verständnis für die Anti-Ballack-Stimmung unter Mitgliedern und Fans. «Ich beurteile das so, dass der Fußball-Interessierte des Themas Ballack, ob er bleibt oder nicht, müde wird», kommentierte der Coach. Und: «Wenn er so auftrumpft wie beim Länderspiel in Frankreich, wird er weiter akzeptiert werden. Ich glaube, dass sich Michael jetzt noch mehr bei uns reinhängen wird.»

Anders als an der Basis, gebe es auf der Führungsebene «keine Dissonanzen im Verhältnis», versicherte Magath. Der FC Bayern konnte und wollte nur nicht länger zuschauen, wie Ballack auf ein besseres Angebot von Real Madrid, AC Mailand, Juventus Turin oder Manchester United wartet. Nach den FIFA-Statuten dürfen Vereine mit Spielern eigentlich erst ein halbes Jahr vor Vertragsende verhandeln. «Wir sondieren jetzt den Markt. Damit kann man nicht bis März oder April warten», sagte Bayern-Präsident Franz Beckenbauer. Die Zeichen stehen auf Trennung, aber nicht auf Trauer, so Beckenbauer: «Wir würden einen wichtigen Spieler verlieren - aber weiter Fußball spielen.»

Doch wer könnte Ballacks Nachfolge antreten? Die Spekulationen reichen von Bundesliga-Assen wie Marcelinho (Hertha), Rafael van der Vaart (HSV) und Nationalspieler Tim Borowski (Bremen) bis hin zum Portugiesen Deco (FC Barcelona) oder dem Kroaten Niko Kranjcar (Hajduk Split). «Wir haben keine Kandidatenliste», betonte Magath. Er hält auch eine interne Lösung zum Beispiel mit Ali Karimi, Mehmet Scholl oder dem kurz vor der Vertragsverlängerung stehenden Nationalspieler Sebastian Deisler für denkbar. «Wir können das mit unserem Kader auffangen», sagte er.

Geld genug für einen Ballack-Nachfolger haben die Bayern, die im Geschäftsjahr 2004/05 wieder schwarze Zahlen geschrieben haben. 6,6 Millionen Euro Gewinn, ein Rekordumsatz von 189,5 Millionen Euro und ein Eigenkapital von 157,1 Millionen Euro brachten Beckenbauer ins Schwärmen. «Sportlichen Erfolg können auch andere. Aber sportlichen Erfolg verbunden mit wirtschaftlichem Erfolg - das ist einmalig.»

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