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Kölner Vertrauensbeweis für Overath und Rapolder

Köln (dpa) - 15.11.2005, 09:43 Uhr

Wolfgang Overath geht im Oktober in Frankfurt am Main aus der DFB-Zentrale.
Wolfgang Overath geht im Oktober in Frankfurt am Main aus der DFB-Zentrale.

Der überwältigende Vertrauensbeweis für Wolfgang Overath gestaltete sich zunächst inbrünstig in Liedform: «Mr stonn zo dir, FC Kölle», sangen die stimmberechtigten 2152 Mitglieder des 1. FC Köln und dokumentierten im Stehen ihre Unterstützung für ihren Club.

Diese galt zugleich für den FC-Präsidenten und dessen Weg. Und schließlich drückte sich das Wir-Gefühl bei der Rekord-Mitgliederversammlung des Fußball-Bundesligisten auch in beeindruckenden Zahlen aus: 17 Monate nach seiner Amtsübernahme wurde der 62 Jahre alte frühere Weltmeister Overath bei einigen wenigen Gegenstimmen für vier Jahre wiedergewählt: «Es ist eine hohe Auszeichnung, dass es halt nur 15 oder 10 Leute waren, die nicht mit uns einverstanden sind.»

Genau gezählt wurde nicht, doch einer bekam seine vermeintlichen Fehler exakt vorgerechnet. FC-Manager Andreas Rettig musste sich in einem hitzig geführten Frage- und Antwort-Spiel teilweise überzogener Kritik erboster Mitglieder erwehren. «Ich bin es langsam Leid, für jeden Scheiß in die Ecke gestellt und zum Sündenbock gemacht zu werden», sagte Rettig. Fehleinkäufe hielten sie ihm vor, dass Verletzte zum FC geholt wurden, dass der Kader nicht das nötige Format habe.

Rettig reagierte überaus sachlich: «Selbstredend, wenn es schief gehen sollte und die Mannschaft wieder absteigt, heißt der Manager in der kommenden Saison nicht mehr Rettig.» Das sei logisch, schließlich habe er einen Zweijahresvertrag abgelehnt. Doch zuvor war Rettig der Angriffe, die auch unter die Gürtellinie gingen, überdrüssig geworden: «Ich lasse es nicht zu, dass Schreihälse über Monate hinweg Politik gegen mich machen.»

Der wie seine Stellvertreter Friedrich Neukirch und Jürgen Glowacz wiedergewählte Overath stellte sich schützend vor seinen leitenden Angestellten Rettig: «Er ist ein fähiger Mann, der sehr viel vom Fußball versteht, der viele Stärken, aber auch Schwächen hat - wie wir alle.» Auch den neuen Cheftrainer Uwe Rapolder stärkte Overath, der achter Präsident des Geißbock-Clubs ist, trotz der Serie sportlicher Misserfolge: «Es gab nie eine Sekunde den Zweifel, dass ich gesagt hätte, nein, es geht nicht mehr.»


Rapolder gestand, sich der Versammlung «mit ein bisschen Bammel» gestellt zu haben: «Wenn man ständig weich geklopft wird.» Angesichts der jüngsten Negativ-Bilanz räumte er allen «das Recht für Kritik» ein - die aber für den 47-Jährigen völlig ausblieb. Im Gegenteil: Für ihn und seine wohl gesetzten Worte gab es fast so viel Applaus wie für Overath: «Ich bin richtig stolz, hier bei Ihnen arbeiten zu dürfen. Mit jedem Tag ist der FC eine größere Herausforderung für mich», bedankte sich der nach eigenen Worten «sehr, sehr beeindruckte» Rapolder für die Vertrauens-Bekundungen.

Overath will mit Rapolder, Rettig und Jungstar Lukas Podolski innerhalb der kommenden drei Jahre «den Sprung in das obere Drittel der Bundesliga schaffen. Das bleibt unsere Vision.» Doch zunächst gelte alles dem Klassenverbleib. Sollte der geschafft werden, will der FC-Präsident Kölns jugendliche Fußball-Ikone mindestens bis 2010 an den Club binden: «Wir werden alles daran setzen.» Podolski solle am Rhein bleiben, empfahl Overath, «denn bei einem europäischen Top-Club sitzt er vielleicht nur auf der Bank. Und arm würde der Lukas beim FC Köln auch nicht.»

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