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Schalke in der Krise - «FC Ballack» siegt

Düsseldorf (dpa) - 30.10.2005, 14:36 Uhr

Leitwolf Ballack (l) nimmt nach seinem Treffer jubelnd Pizarro in den Arm.
Leitwolf Ballack (l) nimmt nach seinem Treffer jubelnd Pizarro in den Arm.

Dem FC Schalke 04 drohen die Felle davon zu schwimmen. Bereits nach elf Spieltagen der Fußball-Bundesliga ist nicht nur der mit Millionen-Investitionen in neue Spieler genährte Traum vom ersten Meistertitel seit 1958 fast schon geplatzt.

Mit dem 0:1 beim Hamburger SV ist der Abstand zu Spitzenreiter Bayern München auf zehn Punkte angewachsen. Nach dem blamablen Pokal-K.o. in Frankfurt (0:6) und der Schlappe an der Elbe rettete sich Schalkes Manager Rudi Assauer vor dem Champions-League-Spiel gegen Fenerbahce Istanbul in Sarkasmus: «Dann holen wir uns halt die dritte Klatsche ab und alle dürfen sich freuen, die es Schalke nicht gönnen, nach oben zu kommen.»

Nachdem er seinem Trainer Ralf Rangnick nach dem Pokal-Desaster am Main noch den Rücken gestärkt und seine Profis kritisiert hatte, gab es nun keinen Treueschwur für den Chefcoach des Tabellenvierten mehr. «Wir haben keine Trainerdiskussion, zumindest nicht kurzfristig», sagte Assauer zweideutig.

Dafür schwimmt sein Kollege Thomas Doll weiter auf der Welle des Erfolgs: Optimal in die Gruppenphase des UEFA-Cups gestartet (1:0 gegen ZSKA Sofia), gelungener Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals und Dritter der Punktrunde mit sechs Zählern Vorsprung vor Schalke. «Unser Team hat das Zeug zur Champions League», meinte Mehdi Mahdavikia, der das Tor des Tages für den HSV erzielte.

Dass es aber schon dafür reichen könnte, den Münchnern den Titel streitig zu machen, glaubt Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff nicht: «Auch wenn der HSV schön spielt, sehe ich bei Werder Bremen mehr Potenzial, der größte Konkurrent der Bayern zu sein.» Mit dem 4:1 gegen Eintracht Frankfurt hat der Tabellenzweite dies eindrucksvoll unterstrichen und zugleich den Höhenflug der Hessen beendet. Für die Frankfurter geht es nach den Torfest-Tagen gegen Köln (6:3) und Schalke nun wieder allein um den Klassenerhalt.


Viel Dusel hatte der Spitzenreiter aus München, der bald in «FC Ballack» umgetauft werden könnte. Wie im Pokal bei Erzgebirge Aue (1:0) köpfte Michael Ballack den Siegtreffer zum 2:1 beim 1. FC Köln. «Wir freuen uns über den glücklichen Sieg. Das hatte ich mir anders vorgestellt», meinte Bayern-Coach Felix Magath, der sein Team beim Brunch auf den Champions-League-Trip zu Juventus Turin einstimmte. Getrübt wurde die Vorbereitung von der Nachricht über die Verletzung bei Roque Santa Cruz, der sich einen Kreuzbandriss zugezogen hat. Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge erhöhte daraufhin den Druck auf Torjäger Roy Makaay, der seit 994 Minuten ohne Treffer ist. «Roy muss mehr für sich und die Mannschaft arbeiten. Das ist ein Vorwurf, den er sich gefallen lassen muss.»

Bittere Enttäuschung herrscht nach der großen Gegenwehr bei den kriselnden Kölner, die zum sechsten Mal hintereinander verloren. «Die Leistung macht Mut. Das 1:2 ist nur bedingt als Niederlage zu werten», sagte der angeschlagene Trainer Uwe Rapolder. Wie eine Erlösung war das 3:3 des VfB Stuttgart gegen Hertha BSC für den Schwaben-Trainer Giovanni Trapattoni. Allerdings dürfte auch der italienische Starcoach seine Schonfrist nur verlängert haben. Denn VfB-Sportdirektor Herbert Briem machte klar: «Unter dem Strich ist ein Punkt zu wenig.»

Dies gilt auch für den 1. FC Kaiserslautern und Bayer 04 Leverkusen (2:2). «Wahrscheinlich werden wir wieder bis zum letzten Tag zittern müssen», fürchtet Lauterns Club-Chef René C. Jäggi einen zähen Abstiegskampf. Den Makel des Mittelmaßes konnte Bayer auch im fünften sieglosen Spiel nicht ablegen. «Jetzt müssen wir eben gegen Dortmund gewinnen», hofft Leverkusens Trainer Michael Skibbe.

Bei den Westfalen ist nach vier Remis dagegen der Knoten gegen Borussia Mönchengladbach (2:1) geplatzt. «Zum ersten Mal in dieser Saison haben wir Kontakt nach oben», freute sich BVB-Sportmanager Michael Zorc. Nur drei Punkte ist der Tabellen-Achte von Schalke entfernt. Die Gladbacher nahmen nach zuletzt 13 Punkten aus fünf Spielen die Niederlage gelassen. «Wir bleiben Tabellenfünfter», stellte Sportdirektor Peter Pander fest. Nur sein Coach Horst Köppel fürchtet: «Jetzt werden uns wieder einige in die Pfanne hauen.» Dieses Wechselspiel wird auch dem Kollegen Norbert Meier trotz des 1:0 gegen den VfL Wolfsburg nicht erspart bleiben. Zunächst konnte er aber aufatmen: «Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie lebt.»

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