Hannover am Ende: «Riesen-Wunder» ist nicht mehr genug

Frankfurt/Main (dpa) - 20.03.2016, 12:53 Uhr
Hannover am Ende: «Riesen-Wunder» ist nicht mehr genug
Trainer Thomas Schaaf (l) taumelt mit Hannover 96 dem Abstieg entgegen. Foto: Arne Dedert

Noch lange nach dem Schlusspfiff stand Thomas Schaaf regungslos vor seiner Trainerbank. Der Chefcoach von Hannover 96 ist jetzt mit Unterbrechungen seit 37 Jahren als Spieler und Trainer in der Fußball-Bundesliga dabei.

Am Samstag wusste er nach dem 0:1 (0:1) bei Eintracht Frankfurt genau: Das war's. Hannover 96 wird am Ende der Saison absteigen. Einen Rückstand von zehn Punkten wird diese Mannschaft in den verbleibenden sieben Spielen kaum mehr aufholen können. Nicht in dieser Besetzung. Nicht in dieser Form.

«Wir werden weiter alles versuchen. Das ist unsere Pflicht, das sind wir auch unseren Fans schuldig», sagte Schaaf. «Aber der Abstand wird immer größer, die Spiele immer weniger. Die Situation wird dadurch nicht einfacher, manche sagen sogar: unmöglich.» Hannovers Torwart Ron-Robert Zieler gehört dazu. Der Weltmeister legte sich nach dem Spiel in Frankfurt den Satz zurecht: «Wenn wir letzte Woche schon gesagt haben, dass wir ein Riesen-Wunder brauchen, dann brauchen wir heute noch ein größeres.» Das sei alles «extrem enttäuschend».

12 der vergangenen 13 Spiele hat der Tabellenletzte mittlerweile verloren. Die Bilanz unter Schaaf wird auch von Woche zu Woche schlechter. Mittlerweile steht sie bei neun Niederlagen in zehn Spielen. Warum das so ist, war am Samstag gut zu beobachten. Diese Mannschaft ist vorne viel zu harmlos und hinten schlecht organisiert. Den Glauben an die eigene Rettung hat sie längst verloren.

Dass das entscheidende Tor von Änis Ben-Hatira (32. Minute) aus einer Abseitsposition heraus entstand und dass Hannover in der zweiten Halbzeit auch noch ein Elfmeter verweigert wurde, gibt dem Ganzen eine tragische Note hinzu. An dem Gesamtbefund ändert das aber nichts. So hat 96 kein Bundesliga-Format. Was man jetzt beim Blick auf die Tabelle noch tun könne, wurde Edgar Prib nach dem Spiel gefragt. Seine Antwort war nur: «Einfach nicht draufgucken.»

Ein Gutes hat diese frustrierende Situation immerhin: Der Verein hat jetzt Planungssicherheit. Er könnte sich mit deutlichem zeitlichen Vorsprung auf andere Clubs für die kommende Zweitliga-Saison neu aufstellen. Immer mehr Beobachter haben allerdings den Eindruck: 96 ist gerade dabei, selbst diesen Vorteil aufs Spiel zu setzen.

Noch immer ist nicht klar: Wird Schaaf den Weg in die 2. Bundesliga mitgehen oder nicht? «Es gibt dazu nichts Neues», sagte er auch am Sonntag noch einmal. «Wir prüfen die Strukturen. Ich kann mir die Zweite Liga prinzipiell vorstellen. Natürlich macht man sich intern Gedanken. Aber das hat man vom ersten Tag an gemacht.»

Eine andere Frage ist längst auch: Wäre Schaaf für den Neuaufbau überhaupt der richtige Mann? Für den 54-Jährigen sprechen nach wie vor seine Erfahrung und seine Vita. Auch bei Eintracht Frankfurt wurde es nicht besser, als er den Verein im Sommer verließ.

Vorzuweisen hat Schaaf in Hannover bislang aber: nichts. Von den auch unter seinem Einfluss verpflichteten sechs Winter-Neuzugängen half dem Verein niemand wirklich weiter. Auch seine ständigen taktischen wie personellen Rochaden haben die Mannschaft eher verunsichert als stabilisiert. «Dinge, die er aus seiner Erfahrung angeschoben hat, greifen nicht. Dann veränderst du wieder etwas, und dann greift das auch nicht», sagte Geschäftsführer Martin Bader bei Sky. Auch Schaaf verteidigte sich noch einmal: «Wir müssen alles versuchen. Wir müssen alle Themen anreißen. Leider bringen wir es nie zu Ende.»

Die zweiwöchige Länderspielpause kommt dem Tabellenletzten nun gerade recht, um seine Zukunft zu planen. Sicher ist erst einmal nur, dass Schaaf nicht schon vor dem Saisonende hinwerfen wird. «Ich bin noch da, und ich gehe meinen Weg weiter», sagte er am Samstag.

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