Trapattoni wieder unter Druck
Rostock (dpa) - 27.10.2005, 12:17 Uhr
Der Stuttgarter Trainer Giovanni Trapattoni faltet nach dem Pokal-Aus die Hände.
Giovanni Trapattoni steht nach der 2:3-Pokalpleite seines VfB Stuttgart beim Zweitligisten FC Hansa Rostock mehr denn je unter Beschuss. «Wenn jemand Trainer ist, muss er wissen, dass er immer unter Druck steht. Wenn ich damit nicht umgehen könnte, würde ich als Zugführer arbeiten», erklärte der 66-jährige Italiener nach dem unverhofften Pokal-K.o. beim klassentieferen Außenseiter. Nach dem Ultimatum von Clubchef Erwin Staudt («Wir müssen in den nächsten drei Wochen Taten sehen») ist der Erfolgsdruck für «Trap» im schweren Bundesliga-Heimspiel gegen Hertha BSC gewaltig. Nach zuletzt zwei guten Spielen in UEFA-Pokal (2:0 bei Stade Rennes) und Meisterschaft (1:1 bei Bayer Leverkusen) bot Trapattonis Team an der Ostsee in der ersten Halbzeit eine desolate Leistung. Dennoch nahm der Fußball-Lehrer seine Mannschaft in Schutz. «Es ist kein Tiefpunkt. Wir haben keinen Rückschritt erlebt, da die Leistung nicht negativ war. Wir müssen nicht noch einmal alles von neuem überprüfen», behauptete der Italiener. Und ergänzte: «Wir haben verloren, aber wir müssen nicht nach Alibis suchen. Ich habe sehr großes Vertrauen in die Mannschaft. Wir haben internationale Spieler und mit der richtigen Einstellung und der richtigen Arbeit werden wir weiter gut spielen.»
Den gegensätzlichen Standpunkt bezog dagegen Timo Hildebrand. «Was soll ich noch über unser System sagen? Es war ja nicht das erste Spiel, in dem wir Lücken hatten», monierte der Nationaltorhüter. Und sein Teamkollege Silvio Meißner gab selbstkritisch zu: «Wir haben nicht richtig dagegen gehalten. Wenn man nicht gut gestaffelt steht, nicht eng am Mann ist, dann ist es leicht, Tore zu schießen. Nach dem starken Spiel in Leverkusen haben wir Hansa einfach zu leicht genommen.» In den nun anstehenden Heimspielen müssen Trapattoni & Co. die Wende zum Guten schaffen, um die Lage nicht noch zu verschärfen. Allerdings werden die Aufgaben keineswegs leichter: Nach dem Hertha-Gastspiel wartet im UEFA-Pokal das ukrainische Spitzenteam von Schachtjor Donezk auf den VfB. Dessen Sportdirektor Herbert Briem erwartet, dass die Mannschaft «gegen Hertha den Schalter umlegen» wird. Sollte dies jedoch nicht gelingen, wird die Kritik an Trapattoni weiter zunehmen. Nach dem Pokal-Aus weht dem italienischen Coach, der nach 1998 mit Bayern München nun mit dem VfB den Cup gewinnen wollte, ein hefiger Wind ins Gesicht. So schrieb die «Stuttgarter Zeitung» zur Lage beim VfB: «Im Stuttgarter Spiel herrschte das blanke Chaos - und es zeigte sich abermals, dass das Verhältnis zwischen Trainer Trapattoni und seinen Profis auf Missverständnissen basiert... Das Debakel in Rostock hat gezeigt, dass keiner weiß, wohin der Weg des VfB führen und wo das Ganze enden soll.»
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