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Kölner kommen in Frankfurt mit 3:6 unter die Räder

Frankfurt/Main/Köln (dpa) - 23.10.2005, 16:40 Uhr

Der Frankfurter Chris (l) erzielt gegen Kölns Torwart Wessels das Tor zum 3:1.
Der Frankfurter Chris (l) erzielt gegen Kölns Torwart Wessels das Tor zum 3:1.

Trotz der demonstrativen Rückendeckung aus der Führungsetage wird die Luft für Uwe Rapolder beim 1. FC Köln nach dem 3:6 (1:4)-Debakel bei Eintracht Frankfurt immer dünner.

«Für so etwas muss normalerweise einer herhalten. In der Regel ist das der Trainer. Mal sehen, was passiert», sagte der vom desaströsen Auftritt seiner Mannschaft schwer gezeichnete Rapolder. Nach der fünften Niederlage in Serie ist der Aufsteiger auf Platz 14 abgestürzt und nur noch zwei Punkte von den Abstiegsrängen entfernt. «Wir werden den Trainer nicht entlassen», gab Präsident Wolfgang Overath dennoch eine Job-Garantie für Rapolder ab.

Overath untermauerte diese Aussage nach einer rund einstündigen Besprechung mit den FC-Profis. «Wir wechseln einen Trainer nicht nach zehn Spielen wie ein Hemd», betonte der 62 Jahre alte Weltmeister von 1974. Es gebe zudem kein Ultimatum für Rapolder, «obwohl auch der Trainer sicher Fehler gemacht hat». Die drei letzten Auftritte der Mannschaft in Nürnberg (1:2), gegen Hannover (1:4) und jetzt in Frankfurt bezeichnete Overath als «katastrophal» und «desaströs». «Aber ich sehe keinen Anlass, die Reißleine zu ziehen.»

Ob die Arbeitsplatz-Garantie lange Bestand haben wird, ist allerdings fraglich, denn die Vorstellung in Frankfurt hinterließ bei allen Kölnern tiefe Spuren. «Wenn wir so weiter spielen, können wir schon für die 2. Liga planen», betonte Lukas Podolski selbstkritisch. Und Manager Andreas Rettig stellte frustriert fest: «Diese Leistung ist nicht akzeptabel. Wenn man gegen einen Mit-Aufsteiger sechs Tore eingeschenkt bekommt, bereitet uns das Sorgen. Es war bedenklich, was die Spieler hier abgeliefert haben.»

Dennoch wollte Rettig keine Trainerdiskussion aufkommen lassen. «Ich habe den Eindruck, dass der Trainer die Mannschaft noch erreicht», sagte der Manager und wurde durch Podolski bestätigt. «Das Verhältnis ist gut. Es geht ohnehin nicht um den Trainer, denn die Mannschaft steht auf dem Platz», sagte der Nationalstürmer.


Rapolder, der nach dem Abpfiff zunächst schnurstracks in die Kabine geeilt war, fand nur mühsam seine Fassung wieder. «Das ist schwer zu verkraften. Da befindet man sich im emotionalen Notstand. Vor allem, was in der ersten Halbzeit passiert ist, war ein Desaster», haderte der Coach. An einen freiwilligen Rückzug verschwendete der auch intern in der Kritik stehende Schwabe aber keinen Gedanken. «Ich weiß nicht, ob die Führung hinter mir steht und ich weiter arbeiten darf. Aber ich bin einhundertprozentig loyal zum Club und werde meine Aufgabe erfüllen, so lange man mich lässt», meinte er kämpferisch.

Diese Tugend hatte sein Team in den 90 Minuten vermissen lassen. Fast ohne Gegenwehr ergaben sich die Rheinländer den wie aufgedreht wirkenden Hausherren, die bei ihrem munteren Scheibenschießen das bisherige Saison-Trefferkonto (4) mehr als verdoppelten. Ioannis Amanatidis (2.), Marko Rehmer (8.), Chris (28.), Benjamin Köhler (35.), Alexander Meier (77.) und Du-Ri Cha (89.) schossen den auch in dieser Höhe verdienten Sieg für die Eintracht heraus. Die FC-Tore von Albert Streit (5.), Podolski (54./Handelfmeter) und Özalan Alpay (90.) waren nicht mehr als Ergebniskosmetik.

Entsprechend zufrieden fiel das Fazit von Friedhelm Funkel aus. «Was wir an Leidenschaft, Begeisterung und Laufbereitschaft geboten haben, war allererste Sahne. So gut habe ich meine Mannschaft selten gesehen. Die Leistung in der ersten Halbzeit ist nicht zu toppen», lobte der Eintracht-Coach sein auch spielerisch überzeugendes Team.

Im Kölner Umfeld herrschten dagegen Wut und Entsetzen. Einige Fans verbrannten nach dem Schlusspfiff die eigenen Vereinsfahnen und beschimpften die Profis lautstark als Versager. Overath hatte sich das sportliche Drama nicht mal bis zum letzten Akt angeschaut und war zehn Minuten vor dem Ende aus der Commerzbank Arena geflüchtet. Am Tag danach nahm er sich dann am Geißbockheim die Profis zur Brust.

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