Draxlers Rückkehr auf Schalke: «Es wird ein heißer Tanz»

04.02.2016, 14:12 Uhr
Draxlers Rückkehr auf Schalke: «Es wird ein heißer Tanz»
Julian Draxler hat einen grippalen Infekt. Foto: Peter Steffen

Wolfsburg/Gelsenkirchen (dpa) - Auf Julian Draxler wartet ein Spießrutenlauf. Viele Schalke-Fans nehmen ihm seinen Wechsel nach Wolfsburg übel. Noch steht nicht fest, ob der Weltmeister überhaupt spielen kann.

Eine Packung Ohropax wäre nicht das schlechteste Utensil, das Julian Draxler auf dem Weg zur Arbeit mitnehmen könnte. Erstmals seit seinem spektakulären Wechsel Ende August 2015 kehrt der Fußball-Profi des VfL Wolfsburg zu seinem langjährigen Verein Schalke 04 zurück, vorausgesetzt, er hat bis Samstag seine Grippe auskuriert.

«Bei uns geht ein Grippevirus um. Wir müssen abwarten, ob Julian und Christian Träsch zur Verfügung stehen», sagte VfL-Trainer Dieter Hecking am Donnerstag. Sollte Draxler spielen, werden zigtausende Schalker Fans, die den Abschied ihres früheren Lieblings bis heute nicht nachvollziehen können, den Nationalspieler mit einem gellenden Pfeifkonzert gebührend empfangen.

Illusionen über die unfreundliche Begrüßung macht sich Draxler nicht. «Es wird ein heißer Tanz für mich. Ich bin auf das Schlimmste vorbereitet», sagte der 22-jährige Mittelfeldspieler. Fast trotzig fügte der Weltmeister hinzu: «Aber ich bin trotzdem froh, dass ich in mein altes Wohnzimmer zurückkehre.»

Schalke-Trainer André Breitenreiter hofft auf einen fairen Umgang mit dem früheren Publikumsliebling. «Er ist ja ein Schalker Junge und hat dem Verein viele schöne Momente beschert. Ich wünsche mir, dass die Stimmung im Rahmen bleibt», sagte der Coach. Er hätte aber auch Verständnis für die eigenen Anhänger, sollte Draxler ausgepfiffen werden. «Viele unserer Fans waren enttäuscht, dass er nach so vielen Jahren gewechselt ist. Aber wir spielen Samstag nicht gegen Julian Draxler, sondern gegen den VfL Wolfsburg», mahnte Breitenreiter.

Immerhin lebte Draxler 14 Jahre lang im königsblauen Haus, er gehörte sozusagen zum Schalker Inventar. Bis die Millionen-Offerte aus Wolfsburg eintraf. Der finanzstarke Bundesliga-Konkurrent kaufte ihn für rund 36 Millionen Euro aus einem bis 2018 befristeten Vertrag.

Die Verärgerung über diesen Transfer ist bei den Schalker Nordkurven-Fans weiterhin groß. Im Internet wird der Abtrünnige wüst beschimpft und beleidigt. «Ähnlich wie bei Manuel Neuer werden ein paar Fans richtig sauer sein. Das wird richtig heiß für ihn werden», urteilte Schalke-Profi Johannes Geis.

«Es ist schade, dass die Fans pfeifen, aber den Unmut muss man verstehen», erklärte Draxler zu den Anfeindungen. Weniger Verständnis bringt Wolfsburgs Manager Klaus Allofs dafür auf: «Vereinswechsel sind in einer Profi-Karriere doch normal.»

Jungstar Draxler hatte sich beim Champions-League-Teilnehmer nicht nur mehr Geld, sondern auch einen Leistungsschub erhofft. Dieser Wunsch erfüllte sich allerdings nicht. Der VfL und sein Hoffnungsträger verharren derzeit im Mittelmaß. In der Tabelle liegt Wolfsburg (27 Punkte) nach sechs sieglosen Partien sogar hinter Schalke (30.).

«Wir können es viel besser. Das Runde will zurzeit bei uns nicht in das Eckige», kommentierte Draxler den Negativlauf des deutschen Pokalsiegers. Nun soll trotz der Pfiffe ausgerechnet auf Schalke die Wende gelingen. Die Wolfsburger Mitspieler glauben nicht, dass Draxlers Psyche einen Knacks erleidet. «So, wie ich ihn kennengelernt habe, mache ich mir keine Sorgen», sagte VfL-Keeper Diego Benaglio. «Wenn alle gegen einen sind, kann das ja auch ein Ansporn für denjenigen sein.»

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