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Keine Alternative zum BVB-Sanierungskurs

Dortmund (dpa) - 20.09.2005, 13:29 Uhr

Jan Koller wird in der kommenden Saison nicht mehr im BVB-Trikot jubeln.
Jan Koller wird in der kommenden Saison nicht mehr im BVB-Trikot jubeln.

Bei Borussia Dortmund regt sich erster, noch leiser Widerstand gegen den rigorosen Sparkurs der neuen Vereinsführung. Nach dem frühen Aus im UI-Cup und DFB-Pokal sowie dem durchwachsenen Bundesliga-Start werden Forderungen nach einer besseren Mannschaft laut.

Doch zum Sanierungskurs gibt es nach Meinung von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke keine Alternative: «Wir müssen weiter schlank aufgestellt bleiben und dürfen hier nicht weich werden. Wer nach Neuverschuldung ruft, um die Mannschaft zu verstärken, macht sich lächerlich. Das können wir uns gegenüber unseren Gläubigern nicht erlauben.»

Nach einem glanzvollen Jahrzehnt mit drei deutschen Meistertiteln (1995, 1996, 2002) und dem Gewinn der Champions League 1997 fällt es schwer, sich mit dem tristen Dasein im Bundesliga-Niemandsland abzufinden. So sprach sich Olaf Suplicki, zweiter Mann der unlängst im Verein verankerten Fanabteilung, in einem Interview mit der Zeitschrift «Revier Sport» für eine Anleihe nach Vorbild des FC Schalke aus. Zudem kritisierte er die Verpflichtung des bisher enttäuschenden Delron Buckley.

Nicht nur Suplicki, dessen Rücktrittsgesuch der Vorstand der Fanabteilung ablehnte, zog sich den Unmut der Clubführung zu. Wie sensibel sie angesichts der noch immer schwierigen Lage auf Kritik reagiert, bekam auch Christian Wörns zu spüren. Als Jan Koller seinen Abschied von der Borussia zum Saisonende bekannt gab, sprach Manndecker Wörns öffentlich von seiner Sorge um ein drohendes Auseinanderbrechen der Borussia.

Zum Leidwesen des neuen Geschäftsführers: Denn der hält wenig von Prognosen, die der Borussia eine Zukunft mit einem wenig konkurrenzfähigen Kader verheißen. «Wir sind trotz aller Probleme nicht das Armenhaus der Liga», betonte Watzke, «es wird keinen Ausverkauf geben.»


Unbeirrt wirbt er für seine nach eigenen Worten «knochentrockene und seriöse Geschäftspolitik». Und die sieht einen jährlichen Etat für die Mannschaft von nur noch 24 Millionen Euro vor. Schließlich soll der gut 90 Millionen Euro hohe Schuldenberg binnen fünf Jahren zur Hälfte abgetragen sein. «Die Erlös-Seite war nie unser Problem, das Ausgabe-Verhalten hat ihr allerdings nicht entsprochen», sagte Watzke der «Westfälischen Rundschau» mit Verweis auf die Unternehmenspolitik in der Niebaum-Ära.

Stolz verkündete der einstige Branchenriese BVB vor wenigen Tagen die Vertragsverlängerung mit Lars Ricken zu deutlich reduzierten Bezügen. Mit weiteren Spielern wie Wörns und Sebastian Kehl, deren Kontrakte zum Saisonende auslaufen, wird derzeit verhandelt. Zudem hält der Revierclub Ausschau nach einem adäquaten Ersatz für den zum Saisonende scheidenden Koller und hat dabei ein Auge auf Halil Altintop vom 1. FC Kaiserslautern geworfen.

Nicht nur bei der Zusammenstellung der neuen Borussia steht Watzke und Präsident Reinhard Rauball viel Arbeit ins Haus. Für das laufende Geschäftsjahr hält Watzke «im optimalen Fall eine schwarze Null im operativen Geschäft für realistisch». Die Vermarktung des Westfalenstadions, das in der Saison 2006/2007 einen anderen Namen haben wird, und die zusätzlichen Einnahmen aus den neuen TV-Verträgen der Bundesliga sollen zur Entschuldung beitragen.

Belebende Wirkung verspricht auch die baldige Mitarbeit von Abrecht Knauf. Dem Großunternehmer, der auf der Mitgliederversammlung am 20. November auf die vakante Position des Vize-Präsidenten gewählt werden soll, werden gute Kontakte zu Wirtschaft nachgesagt. Trotz aller Widrigkeiten liebäugelt Watzke mit einer Rückkehr in obere Tabellenregionen: «Gutes Management zeichnet sich dadurch aus, dass es mit knappen Mitteln auskommt und dennoch Erfolg hat. Diesen Weg wollen wir bestreiten.»

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