Sein Weg gleicht dem der 4,7 Millionen registrierten Arbeitslosen in Deutschland: Der alte Arbeitgeber wollte ihn nicht mehr und ein neuer war nicht in Sicht. Doch Fredi Bobic ist in keiner Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) zu finden.
Der Fußballprofi und 37-malige Nationalspieler muss keine Nummer ziehen und stundenlang auf Fluren warten. «Selbstverständlich habe ich mir den Gang zum Arbeitsamt erspart. Oder besser: Ich habe ihn den anderen erspart, die arbeitslos sind und die Unterstützung wirklich benötigen», sagt der 33-Jährige. Seit Auslaufen seines Vertrages Ende Juni bei Hertha BSC Berlin ist Bobic vereinslos und hält sich derzeit beim Regionalligisten Stuttgarter Kickers fit.
Die Rückkehr zu seinen Wurzeln hat weniger nostalgische, als vielmehr praktische Gründe. Fredi Bobic, der von 1986 bis 1990 und 1992 bis 1994 bei den «Blauen» spielte, hält sich wie auch andere Arbeitssuchende bereit für neue Aufgaben und zeigt die notwendige Flexibilität. «Im Inland warte ich noch ein wenig ab, ob sich was tut, obwohl ja die meisten ihre Panikkäufe beendet haben. Ich schaue mal. Mir liegt einiges vor, das meiste aus dem Ausland.»
Fredi Bobic war Zeit seines Lebens zu ehrgeizig, um seine Karriere mit 285 Bundesligaspielen und 108 Toren so enden zu lassen. «Ich würde ja lügen, würde ich verneinen, dass es Samstagsmittags um 15.30 Uhr nicht in den Füßen kribbelt», schreibt er auf seiner Homepage, die er als erster deutsche Fußballprofi überhaupt ins Netz stellte.
Seinen derzeitigen Status als bekanntester deutscher Fußballer ohne Job nimmt er professionell hin und beantwortet routiniert alle Fragen. «Für einen jungen Spieler ist das schon schwierig, bei mir ist das was anderes. Ich bin so lange dabei, dass mir die zwei Monate Auszeit mal richtig gut tun», sagt der Profi mit Ehre, für den die ihm zustehende Beantragung von einem Jahr Arbeitslosengeld nicht in Betracht kam. «In der langen Zeit hat sich ein bisschen was angehäuft, dann kann man schon vom Ersparten leben», erklärt Bobic, der außer für die Kickers und Hertha auch für den VfB Stuttgart, Borussia Dortmund, die Bolton Wanderers und Hannover 96 am Ball war.
Die Gesetzmäßigkeiten der Branche hat Bobic akzeptiert. «Die Vereine müssen auch wirtschaftlicher denken, haben nicht mehr so viel Geld. Dann passiert so etwas Mal. Ich sehe das als normales Phänomen.» Und doch beschlich ihn an seinem ersten Tag ohne Job «ein komisches Gefühl».
Der Europameister von 1996 ist sich bewusst, dass die Zahlung von Arbeitslosengeld an Fußballprofis ohne Job vielen Hartz-IV-Empfängern wie ein Hohn vorkommen muss. «Es heißt dann oft schnell, sie hätten sicherlich zuvor genügend Schmerzensgeld kassiert. Doch das muss man natürlich differenziert sehen», schreibt er in einer Kolumne für «11 Freunde, das Magazin für Fußball-Kultur». «Der Regionalligaspieler oder das Gros der Zweitligaspieler können von ihren Verdiensten ebenso wenige Rücklagen bilden wie die meisten 'normalen' Arbeitnehmer. Den Fußballprofi allgemein als 'Millionario' abzutun, ist ungerecht.»