«Trap» redet nur noch mit Dolmetscher
Stuttgart (dpa) - 30.08.2005, 13:11 Uhr
Giovanni Trapattoni feuert im August in Bremen von der Bank seine Mannschaft an.
«Was erlauben Struunz?» und «Flasche leer» sind längst Kult, doch ähnliche Kostbarkeiten wie aus Giovanni Trapattonis berühmter Münchner Wutrede vom März 1998 werden den deutschen Sprachschatz vorerst nicht bereichern. Der Trainer des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart lässt sich bei öffentlichen Auftritten nun stets dolmetschen. «Ich habe bemerkt, dass ich einige spezifische Themen in Deutsch nicht so gut ansprechen kann. Wenn ich ein Spiel analysiere oder über einen Spieler wie zuletzt Soldo spreche, wird das gleich alles als Wutrede interpretiert», sagte Trapattoni. «Da wurde ich missverstanden. Das will ich nicht mehr.» Äußerungen wie «Soldo okay, wir machen steht, bleiben okay spielen» ließen allerdings auch Raum für Interpretationen. Nach dem holprigen Saisonstart mit nur zwei Punkten aus drei Bundesliga-Spielen sowie der Personaldiskussion um die zwischenzeitliche Degradierung von Mannschaftskapitän Zvonimir Soldo wirkt der 66-Jährige ernster und angespannter als zu Beginn seiner zunächst von Euphorie begleiteten Stuttgarter Zeit. Bei seiner Vorstellung im Juni waren seine ersten Worte «Guten Tag, ich schon wieder da. Ich habe noch nicht fertig» noch von den Journalisten mit Lachen und Beifall begleitet worden.
In den ersten Wochen beim Bundesligisten radebrechte Trapattoni mit seinem unnachahmlichen Deutsch. Das hatte zwar stets hohen Unterhaltungswert, ließ aber auch immer mehr ratlose Beobachter mit Fragen zurück: «Wie hat er das gemeint, was will er uns damit sagen?» Das Sprachproblem, das ein Grund für seinen Rückzug als Trainer des FC Bayern München war, hat ihn im Schwäbischen wieder eingeholt. Dabei war Trapattoni vor seinem Engagement beim VfB so optimistisch: «Mein Deutsch ist gut, und in Stuttgart gibt es keinen Thomas Strunz. Es wird keine Sprachprobleme geben.» Auf dem Trainingsplatz fällt Co-Trainer Andreas Brehme eine Schlüsselrolle zu. Er muss gelegentlich übersetzen, zumal Konditions- und Torwarttrainer ebenfalls aus Italien stammen. Ein Sprachproblem will der ehemalige Profi mit jahrelanger Erfahrung bei Inter Mailand aber nicht ausgemacht haben, im Gegenteil. «Der Giovanni spricht ein sehr, sehr gutes Deutsch. Ich kann das gar nicht mehr hören. Ich glaube, dass einige froh wären, die würden so ein Deutsch sprechen wie er», sagte der Fußball-Weltmeister von 1990. |