Mehmet Scholls Wandlung zum WM-Kandidaten
München (dpa) - 30.08.2005, 13:16 Uhr
Mehmet Scholl jubelt über seinen Treffer zum 2:0 gegen Hertha BSC Berlin.
Lange Zeit war Mehmet Scholl ständig nur Patient, mittlerweile ist der Mittelfeldmann vom FC Bayern München aber schlicht ein Phänomen. Statt sich nach zahlreichen Verletzungen wie von vielen erwartet in den Fußball-Ruhestand verabschiedet zu haben, ist der 34-Jährige plötzlich sogar ein Kandidat für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2006. Selbst hält sich Scholl mit Ansprüchen zurück, doch an Fürsprechern mangelt es nicht. Bayern-Manager Uli Hoeneß sieht ihn im «98. Frühling», und Vereinstrainer Felix Magath würde sich als Nationalcoach nach ihm «die Finger lecken». Schon im Frühjahr, als Mehmet Scholl sein Können in der Rückrunde immer häufiger wieder aufblitzen ließ, deutete Bundestrainer Jürgen Klinsmann an, dass der unkonventionelle Star nicht in Vergessenheit geraten ist. Scholls glänzende Kurz-Auftritte zum Saisonbeginn in DFB-Pokal und Bundesliga mit drei Toren dürften diese Einschätzung nicht geändert haben. Ein baldiges Comeback im DFB-Dress nach mehr als dreieinhalb Jahren wird es aber dennoch kaum geben. Zuletzt hatte Scholl im Februar 2002 beim 7:1 gegen Israel das Nationaltrikot getragen, anschließend aber überraschend auf die WM in Japan und Südkorea verzichtet, um seinen Körper regenerieren zu können.
Klinsmann-Assistent Joachim Löw sagte zwar: «Wir wissen um Scholls Qualitäten». Aber für die Länderspiele in der Slowakei und gegen Südafrika in Bremen war eine Berufung Scholls ebenso wenig ein Thema wie für den Fitnesstest mit dem erweitertem Kader im Oktober. «Alle 20 Feldspieler müssen in der Lage sein, alle paar Tage ein Spiel über 90 Minuten zu bestreiten», beschrieb Löw die Anforderung an die WM-Teilnehmer. Und genau da liegt Scholls Problem. Auch beim FC Bayern sind für den vom extrovertierten Teenie-Idol zum schweigsamen Kult-Kicker gewandelten Profi nur Kurzeinsätze drin. «Ich muss achtsam mit meinem Körper umgehen. Ich weiß, was ich ihm zutrauen kann», sagte der wegen unzähligen Muskelproblemen immer wieder auf Eis gelegte Scholl. Zuletzt hatte ihn im Juli ein Faserriss in der Wade wichtige Wochen in der Vorbereitung gekostet. «Ich sehe ihn im Moment in der Rolle des Edeljokers, mehr geht sicher nicht», sagte Magath. |