Ehemaliger FCK-Vorstand verteidigt Ablösemodalitäten
Kaiserslautern (dpa) - 29.08.2005, 13:51 Uhr
Jürgen Friedrich (r) sitzt im Mai im Gerichtssaal hinter einem Mikrofon.
Der angeklagte Ex-Vorstandschef Jürgen Friedrich hat im Prozess gegen die ehemalige Führungsspitze des 1. FC Kaiserslautern die Ablösemodalitäten im Fall des früheren FCK-Spielers Nenad Bjelica verteidigt. Friedrich erklärte vor der 2. Strafkammer des Landgerichts Kaiserslautern, dass bei Bjelicas Transfer zum pfälzischen Fußball-Bundesligisten mit NK Osijek eine Ablösesumme von 2,2 Millionen Mark vereinbart worden sei. Bjelicas ehemaliger Club habe davon 1,3 Millionen Mark an eine amerikanische Firma abgetreten. Das US-Unternehmen habe in der Folgezeit für den FCK Talentsuche in den USA, Mittelamerika und den Staaten des ehemaligen Jugoslawien betrieben, sagte Friedrich aus. Bjelica selbst hatte als Zeuge erklärt, dass die 1,3 Millionen Mark über die amerikanische Firma nach Abzug von rund zehn Prozent an ihn weiter gereicht worden seien.
Die Verteidigung der wegen Untreue und Steuerhinterziehung angeklagten ehemaligen Vorstandsmitglieder Friedrich und Gerhard Herzog sowie des damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Robert Wieschemann versuchte zudem, die Glaubwürdigkeit von Taribo West zu erschüttern. Der Ex-Lauterer hatte in einer Aussage erklärt, dass verschleierte Gehaltszahlungen an ihn geflossen seien. FCK-Teammanager Olaf Marschall konnte zu Wests Charakter keine Erläuterung abgeben. Er habe außerhalb des Fußballfeldes keinen Kontakt zu ihm (West) gehabt, sagte Marschall. Eine als Zeugin geladene Sportjournalistin bestätigte allerdings, dass Marschall ihr gegenüber West als «völlig unberechenbar» bezeichnet habe. Er sage einmal ja und einmal nein, wie er es gerade brauche, soll Marschall gesagt haben. Der heutige Teammanager konnte sich an dieses Interview nicht mehr erinnern. Nach der Vernehmung weiterer von der Verteidigung benannter Zeugen plant das Gericht am 4. Oktober die Plädoyers von Staatsanwalt und Verteidigung zu hören. Insgesamt sollen an fünf FCK-Profis - Jeff Strasser, Youri Djorkaeff, Lincoln und Bjelica sowie West - verschleierte Gehaltszahlungen geflossen sein.
|